Das Jahrhundertbauwerk

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Berührende Bücher“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Noch mehr berührende Bücher“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Von der Autorin Lena Johannson habe ich bereits mehrere Bücher gelesen, über die ich zum Teil auch hier im Blog geschrieben habe, zum Beispiel über „Das Marzipanmädchen“ im Beitrag „Marzipan“ und „Die Malerin des Nordlichts“, die Geschichte von Signe Munch, die Nichte des berühmten Malers Edvard Munch im Beitrag „Bewegende Lebensgeschichten“.

Nun habe ich auf eine Trilogie von Lena Johannson entdeckt, die sich mit dem Bau der heute Nord-Ostsee-Kanals, früher Kaiser-Wilhelm-Kanal, genannten Wasserstraße zwischen Nordsee/Elbe und Ostsee/Kieler Förde beschäftigt. Ähnlich wie bei sogenannten Romanbiografien, wie ich sie im Beitrag „Bewegende Lebensgeschichten“ beschreibe, geht es auch in diesen Büchern nicht darum, ein Zeitdokument zu verfassen, sondern vor dem historisch belegten Hintergrund eine spannende Geschichte zu erzählen, die aber eben gleichzeitig aufzeigt, wie das Leben damals war und zwar hauptsächlich aus der Sicht von Frauen. Das zeigt sich auch im Untertitel „Vier Frauen und ein Jahrhundertbauwerk, das die Welt verändert“, denn alle drei Bände – dies sind „Zwischen den Meeren“ (erschienen 2022), „Nach den Gezeiten“ (erschienen 2023) und „Im Jahr der Flut“ (erschienen 2024) – tragen.

Die Autorin erzählt anhand von vier Frauenschicksalen, die sie nach und nach geschickt miteinander verknüpft, bis sich etwa in der Mitte des dritten Bandes alle vier kennenlernen, wie sich das Leben rund um den geplanten Kanal verändert – und wie sich die Menschen verändern.

Da haben wir Justine (Stine) in Kiel, die den Eisenwarenhandel ihres Vaters erbt, als Frau aber keinerlei geschäftliche Entscheidungen treffen darf und eigentlich sowieso lieber Theaterstücke für das Kasperletheater, das sie von ihrem Großvater geerbt hat, schreibt.

Zuerst in Rendsburg, später in Brunsbüttel auf der Kanalbaustelle begegnen wir Regina, ursprünglich Tochter aus gutem Hause, die sich und ihre kleine Tochter durchbringen muss und für die Arbeiter der Kanalbaustelle kocht.

Sanne, die Tochter eines Zimmermanns, möchte gerne studieren, was ihr aber als Frau verwehrt ist. Deshalb fertig sie heimlich Pläne für den Schleusenbau an, denn sie hat herausgefunden, dass der italienische Schleusenbauer ein anderer ist, als er vorgibt und deshalb ihre Unterstützung nur zu gerne annimmt. Mit ungeahnten Folgen…

Zuletzt haben wir die einzige der vier Frauenfiguren, die auch wirklich gelebt hat: Mimi Dahlström, die Tochter von Hermann Heinrich Dahlström, der als „Vater“ des Kanals gilt. Sie möchte gern mehr mit ihrem Leben anfangen, als nur Dienstboten und die Köchin anzuleiten und Kinder zu bekommen. Doch als Tochter aus höherem Hause schickt es sich nicht, eine Ausbildung zu absolvieren!

Es ist interessant zu lesen, wie sich diese Schicksale nach und nach zusammen verweben und wieviel diese Frauen, die auf der ersten Blick so gar nichts gemeinsam haben, dann doch irgendwie zusammen kommen und gemeinsam ihr Schicksal meistern.

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