Manchmal bekomme ich Bücher in die Hände, die ich nach dem ersten Lesen am liebsten gleich nochmal lesen würde – und gleich nochmal, wie um mir jedes Wort einprägen zu können, das ich gelesen habe, weil mich das Gelesene so berührt und bewegt, ja geradezu verzaubert hat.
Wenn ich in einer Buchhandlung arbeiten würde, dann würde ich in einem monatlichen Newsletter über solche Bücher schreiben. Da ich aber (leider?) nicht in einer Buchhandlung arbeite – als Jugendliche wollte ich wirklich eine Buchhändler-Lehre machen, mein Vater fand aber den Besuch des Gymnasiums sinnvoller – schreibe ich hier darüber.
Das Buch, über das ich heute schreiben möchte, ist von der japanischen Autorin Michiko Aoyama und heißt „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“ und ist im Kindler-Verlag mit der ISBN 978-3-463-00040-4 erschienen.
Ich habe es kürzlich von einer lieben Freundin zum Geburtstag geschenkt bekommen und ich bin mir nicht sicher, ob ich es selber auch gekauft hätte. Denn wenn weder Titel (vielleicht wegen des fremd klingenden Namens der Frau?) und noch Titelbild (eine kniende Japanerin vor Bücherregalen mit einer dampfenden Tasse Tee im Hintergrund) sprechen mich gleich an, dafür überzeugt mich fürs erste die geschmackvolle Aufmachung: das Buch ist gebunden – ich lese sonst hauptsächlich Taschenbücher – und mit einer strukturierten Oberfläche und einem farblich passenden Lesebändchen versehen. Auch das erste Reinschnuppern überzeugt mich noch nicht. So stelle ich das Buch vorerst auf den Fenstersims, auf dem ich alle Bücher sammle, die ich noch lesen möchte. Manchmal braucht es für ein bestimmtes Buch ganz einfach den richtigen Zeitpunkt.
Doch als ich das Buch dann vor einer Weile wieder in die Hand genommen habe, konnte ich es nach den ersten Seiten kaum mehr weglegen, auch wenn es nicht unbedingt einfach so zum Durchlesen ist, dazu verbergen sich in den Dialogen und Handlungen (zu)viele lebensphilosophische Gedanken und Erkenntnisse, die aber so geschickt in die Geschichte verflochten sind, dass es sich dann eben doch recht leicht lesen lässt. Geprägt ist die Geschichte auch von japanischen Gepflogenheiten und dem japanischen Alltagsleben, was mir manchmal etwas fremd vorkommt, aber Verständnis und Gedanken der Geschichte nicht beeinflusst.
Und worum geht es nun? Es werden fünf Menschen in ihrem Alltag porträtiert: die einen haben vielleicht gerade ein einschneidendes Erlebnis hinter sich wie zum Beispiel der Eintritt ins Rentenalter, die anderen nicht. Sie haben auf den ersten Blick nichts gemeinsam, außer dass sie eines Tages alle (mehr oder weniger freiwillig) ihren Weg in die Gemeindebücherei eines Quartiers der Stadt Tokio finden, in der Frau Komachi als Bibliothekarin arbeitet – und mit der Frage „Wonach suchen Sie?“ ihre Besucher zum Nachdenken anregt, dann aber auch (besondere) Bücher empfiehlt – die nicht nur ganz unterschiedlich auf das Leben der Bibliotheksbesucher wirken, sondern die alle in irgendeiner Form diese Leben auch beeinflussen und ihnen vielleicht sogar eine neue Richtung oder einen Sinn geben.
Das Buch hat mich an eines erinnert, dass ich ebenfalls im Bücherregal stehen habe, bei dem mich erst auch weder Titel noch Titelbild angesprochen haben, das ich dann aber nicht mehr zur Seite legen konnte und in das ich auch heute noch immer wieder rein lese: „Niemand weiß, wie spät es ist“ von René Freund (ich beschreibe es ausführlicher im Beitrag: „Lesenswerte Bücher“).
P.S. Da ich Bücher so liebe, habe ich in einem Adventskalender hier im Blog noch mehr Buchempfehlungen geschrieben: für Kinder/Jugendliche in „Noch mehr Lesenswertes“ und für die Kleinen in „Bilderbücher“. Außerdem habe ich ein Geschenkbuch verfasst – die Texte sind auf der Seite „Bücher“ zu finden.
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2 Gedanken zu „Ein berührendes Buch“