Was für ein Knorz

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Jetzt hat es doch länger gedauert bis ich mein Geschenk bekommen habe, dass ich im letzten Abschnitt des Beitrags „Nachtrag zum Valentinstag“ angekündigt habe: ich habe mir nämlich einen Baumstrunk (für den Garten) gewünscht! Oder eben wie mein Mann sagt: einen Baumstumpf.

Wie ich auf so eine Idee komme? Wenn ich im Wald einen – ich sage jetzt der Einfachheit halber Wurzelstock – entdecke, dann „muss“ ich immer drauf stehen. Das hat so was spielerisches, aber ich finde es auch schön, die Energie des Baumes zu spüren. Und so habe ich irgenwann im letzten Herbst zu meinem Mann gesagt, dass ich mir zu Weihnachten einen Baumstumpf (Baumstrunk) wünschen würde (aber dafür natürlich keinen unserer Bäume im Garten fällen möchte). Er hat zuerst nur den Kopf geschüttelt und mich gefragt, wo er den denn hernehmen soll. Ich weiß allerdings, dass er (mehrere) Arbeitskollegen hat, die Wald besitzen und deshalb „Holz machen“ – wo also ist das Problem? „Ja wie soll ich den denn transportieren?“, war der nächste Einwand. Aber wir haben ja inzwischen ein großes Auto und außerdem haben seine Eltern einen Anhänger – wo also ist das Problem? Ich bin weiterhin bei jedem Spaziergang, auf dem wir an einem Wurzelstock vorbeigekommen sind, drauf „gehüpft“ und vielleicht habe ich da auch immer wieder auf meinen Wunsch hingewiesen, das weiß ich nicht mehr (allerdings kann ich, wenn ich etwas will, sehr hartnäckig sein!). Doch bei einer Wanderung Ende Dezember letzten Jahres ist es dann passiert: es war ziemlich nass und als ich auf einen Wurzelstock am Wegesrand klettern will, rutsche ich aus und hole mir am Schienbein einen hässlichen Bluterguss, der sich dem ganzen Schienbein entlang zieht. Aua! Es tut weh und außerdem bin ich (ein bisschen) sauer, denn wenn ich einen Wurzelstock im Garten hätte, wäre das bestimmt nicht passiert! Ich humple also weiter und da sagt mein Mann: „Mmh, ich wollte es Dir ja nicht verraten, aber Du bekommst einen Wurzelstock für den Garten!“ „Echt jetzt?!“ Da verrät mir mein Mann, dass er einen Arbeitskollegen gefragt hat, ob er einen Wurzelstock abzugeben hätte und der hat gemeint, ja, sogar mehrere, denn in seinem Waldstück sind mehrere Bäume in (Gewitter-)Stürmen umgestürzt. Der Wurzelstock könne aber erst im Frühjahr aus dem Wald geholt werden kann (was für Ende Februar geplant war, aber eben erst jetzt geschehen ist). So getröstet geht es nach Hause – wo wir uns weiterhin der Frage widmen, ob es nun Baumstumpf oder Baumstrunk heißt? Der Duden „Die deutsche Rechtschreibung“ verwendet die Begriffe synonym. Wikipedia beschreibt das etwas differenzierter: „Ein Baumstumpf (auch Strunk, Stubben, Stumpen, Stuken, Stucken, Wurzelstock, süddeutsch Knorz, forstlich Stockholz oder Erdstammblock) ist das Überbleibsel eines Baumes, das nach der Baumfällung vorläufig am Hiebort verbleibt und aus dem Erdreich ragt. Ein Baumstumpf verbleibt ebenso nach dem Bruch eines abgestorbenen Baumes (Baumleiche) oder bei Windbruch.“ (Quelle: www.wikipedia.org, abgerufen am 11. 03.2024)

Womit wir also beide recht hätten, aber das Wort „Baumstumpf“ doch üblicher zu sein scheint. Ich werde also versuchen, in Zukunft „Baumstumpf“ zu sagen (zum Schreiben ist der „Baumstrunk“ auch arg sperrig!).

Interessanterweise kennen wir den Begriff „Knorz“ nicht  als Begriff für einen Wurzelstock, auch wenn Wikipedia den als „süddeutsch“ aufführt (und wir ja in Süddeutschland leben). Für uns bedeutet der Begriff folgendes: Dass es ein solcher „Knorz“ werden würde, diesen Wurzelstock aus dem Wald zu holen, haben wir beide nicht gedacht – sonst hätten wir es wahrscheinlich sein lassen! Denn als mein Mann sagt, dass ich in den Wald mitkommen soll, da anscheinend mehrere Wurzelstöcke zur Auswahl stünden, sind wir davon ausgegangen , dass da mehrere umgestürzte Bäume im Wald liegen, bei denen der Wurzelstock bereits aus der Erde ragt, dieser also nur abgesägt und abtransportiert werden muss. Dem war allerdings nicht so! Als wir in den Wald kommen, gibt es nur einen Wurzelstock, der bereits aus dem Boden ragt und der ist definitiv zu klein (das findet auch mein Mann). Alle anderen sind noch im Boden! Da ist der Baum jeweils in einer Höhe von etwa zwei bis drei Metern abgebrochen und der Rest wurde dann abgesägt, um nicht den Borkenkäfer anzulocken. Es hieß also, den Wurzelstock aus dem Boden ausgraben! Ich entscheide mich deshalb für den kleinstmöglichen Wurzelstock einer Fichte, also für denjenigen, bei dem meine Füsse grad noch draufpassen. Mit Spitzhacke und anderen Grabwerkzeugen machen sich die Männer also daran, die Wurzeln frei zu legen und dann abzusägen. Nach einer Weile meint der Arbeitskollege meines Mannes, dass er jetzt mal mit der Seilwinde versuchen würde, den Wurzelstock aus der Erde zu holen. (Am Traktor des Kollegen, mit dem er in den Wald gefahren war, befand sich eine Seilwinde). Doch der Wurzelstock bewegt sich keinen Zentimeter. So wird weitergegraben, dann wieder mit der Seilwinde versucht, dann wieder weitergegraben… so geht es mehrere Male, bis nach etwa einer Stunde endlich alle Wurzeln entdeckt und abgesägt sind und der Wurzelstock endlich nachgibt (von wegen, Fichten seien Flachwurzler!). Das war jetzt wirklich ein „Knorz“, bis der endlich draussen war! Und von daheim im Garten gleich drauf stehen können bin ich leider auch noch (weit) entfernt, denn zuerst muss noch die restliche Erde weg, um dann die abstehenden Wurzeln soweit absägen zu können, dass er einigermaßen grad steht. So sieht es im Moment im Garten nicht so aus, als ob da ein Wurzelstock liegen würde, sondern – da der Wurzelstock auf der Schnittfläche liegt – eher als würde da eine äusserst bizarre Skulptur stehen…

P.S. Während der Diskussion um „Baumstumpf oder Baumstrunk“ ist mir noch etwas in den Sinn gekommen, das für den „Baumstumpf“ spricht: nämlich die Redewendung „mit Stumpf und Stiel“. (Ich schreibe ja hier im Blog in einer eigenen Serie über Redewendungen. Wer mehr dazu lesen möchte, hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.) Der Duden „Redewendungen“ schreibt zu „mit Stumpf und Stiel“: Die Redewendung bedeutet „völlig, ganz und gar“. Sie bezog sich ursprünglich auf das Roden von Bäumen und meint eigentlich „mit dem Wurzelstock und dem Stamm“ (also „vollständig“). Den Baum auf dem Beitragsfoto hat es bei einem heftigen Gewittersturm tatsächlich mit Stumpf und Stiel ausgerissen (fotografiert im Lörracher Hebelpark).

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5 Gedanken zu „Was für ein Knorz“

  1. Da du schon den Salat (mitsamt Storch) angeführt hast, möchte ich noch den Kohl anführen, denn Strunk und Strünke assoziere ich am schnellsten und direktesten mit Rosenkohl, und dann mit allen möglichen anderen, dicken, aber immer oberirdischen, robusten Pflanzenstängeln.
    So einen Wurzelstock im Garten zu haben, ist sicherlich auch als Naturerlebnis toll, der zieht sicherlich etliche kleine Tiere an, die darin leben möchten.

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