So viele Schuhe!

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)

Im Beitrag „Vom Hecht in der Suppe“ habe ich schon einmal über eine Redewendung mit „Schuh“ geschrieben („umgekehrt wird ein Schuh draus“).

Inzwischen habe ich noch eine weitere Redewendung über unser Schuhwerk entdeckt – oder vielmehr, ich habe mich dabei ertappt, wie ich eine Redewendung verwendet habe, die ich von meinem Mann kenne – ich habe am Telefon zu meinem Bruder gesagt: „Diesen Schuh hast Du Dir selber angezogen!“und damit gemeint: „Das hast Du Dir selber eingebrockt!“. Ich habe mich dann noch erinnert, dass eine frühere Arbeitskollegin das ähnlich ausgedrückt hat, als es darum ging, nach der Kündigung eines Kollegen die anstehenden Arbeiten neu zu verteilen. Sie hat damals lautstark verkündet: „Diesen Schuh zieh‘ ich mir nicht an!“ Sie wollte damit sagen, dass sie auf gar keinen Fall die Protokollführung in den Sitzungen der Geschäftsleitung übernehmen werde (was zur Diskussion stand). Sie musste es dann aber doch machen (was nicht anders zu erwarten war).

Als ich allerdings im Duden unter „Schuh“ nachschaue, finde ich die Redewendung nicht und im Internet (auf verschiedenen Seiten) nur den Hinweis, dass die Redewendung ihren Ursprung hat im alten Sprichwort „Wem der Schuh passt, der zieht ihn sich an.“

Dafür finde ich im Duden (auf den Seiten 681/682) verschiedene andere Redewendungen, die das Wort „Schuh/Schuhe“ enthalten und die ich durchaus auch das eine oder andere Mal verwende oder kenne – oder bei denen ich auf eine besonders interessante Erklärung stoße.

Eine Redewendung mit – wie ich finde – interessanter Herkunft ist „jemandem etwas in die Schuhe schieben“ mit der (umgangssprachlichen) Bedeutung von „jemandem die Schuld an etwas zuschieben“. Die Wendung geht wohl darauf zurück, dass in früheren Zeiten in den Herbergen oft mehrere Personen in einem gemeinsamen Schlafraum übernachteten. Es war deshalb für Diebe ein Leichtes, vor einer drohenden Durchsuchung Gestohlenes in die Kleider oder Schuhe eines anderen zu schieben, so der Duden.

Zwei Redewendungen, die der Duden aufführt, finde ich lustig und kenne ich auch – so ist es nicht verwunderlich, dass bei beiden dabei steht: schweizerisch…! „Er, sie usw. kann mir in die Schuhe blasen“ bedeutet „er, sie usw. soll mich in Ruhe lassen“. Mit „neben den Schuhen stehen“ ist in der Schweiz umgangssprachlich „sich völlig irren“ gemeint.

Die Redewendung „es zieht mir die Schuhe aus“ mit der (umgangssprachlichen) Bedeutung von „etwas ist unerträglich“ ist mir im Duden auch noch begegnet. Ich kenne sie nicht, aber ich musste daran denken, dass mein Mann für die gleiche Bedeutung den Ausspruch „das rollt mir die Zehennägel hoch“ verwendet (den der Duden allerdings nicht kennt). Ich weiß da nie, ob ich das mit den hochrollenden Zehennägeln lustig oder gruslig finden soll…

Beim Schreiben dieses Beitrags kommt mir noch in den Sinn: „Das ist ein anderes Paar Schuhe.“, den wir im Sinne von „Das ist doch etwas ganz anderes!“ verwenden. Dazu finde ich im Duden nur die Verwendung mit Stiefel und etwas anderer Formulierung: „zwei Paar/zwei verschiedene/zweierlei Stiefel sein“ als umgangssprachlich für „zwei ganz verschiedene, nicht vergleichbare Dinge sein“. Ich stelle hier nicht das erste Mal fest, dass ich, mein Mann und andere Menschen in meinem Umfeld im Alltag Redewendungen verwenden, die nicht im Duden stehen oder die wir in einem anderen Zusammenhang oder in anderer Bedeutung verwenden und bei denen jeder weiß, was gemeint ist. Vielleicht hat der Duden doch nicht immer recht?! Bevor ich hier aber noch „einen Stiefel zusammenschreibe“, beende ich meine Betrachtungen zu den „beschuhten“ Redewendungen!

P.S. Aus dem Duden (S. 733): „einen Stiefel zusammenschreiben“ bedeutet: „schlecht, in unsinniger Weise schreiben“. Interessante Herkunft: Die Wendung geht auf die monotone Arbeit des Schuhmachers zurück, der immer wieder Stiefel herstellt. Aus der Vorstellung des „Routinemäßigen“ entwickelte sich der Begriff des „Schlechten“.

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