(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)
Vor ein paar Tagen waren wir – bei eisigen Januartemperaturen, aber herrlichem Sonnenschein – bei uns in der Nähe in den Rebbergen spazieren. Seit etwa vier Jahren weiden dort im Winter regelmäßig bretonische Zwergschafe – auch bei Minustemperaturen bleiben die kleinwüchsigen Tiere draußen. Es ist eine sehr urtümliche Rasse mit langem Fell und wir haben in der Herde drei Widder mit eindrucksvollen eingedrehten Hörnern ausgemacht – die Enden der Hörner allerdings alle abgestumpft. Da haben wir uns gefragt, ob die sich wohl – im wahrsten Sinne des Wortes – die Hörner abgestoßen haben? Ob das wirklich so ist, haben wir nicht herausgefunden, aber ich habe dadurch eine weitere interessante Redewendung für diese Serie „gewittert“ (mehr zu diesem Wort weiter unten) und habe mich gefragt, wie diese Redewendung wohl entstanden ist. Der Duden (Band 11, Redewendungen) schreibt dazu: die Redewendung steht umgangssprachlich und anscheinend in Bezug auf die Liebe für „durch Erfahrungen besonnener werden“. Statt „abstoßen“ wird auch das Wort „ablaufen“ verwendet. Interessant ist die (angebliche) Herkunft: Die Wendung soll auf einen alten Studentenbrauch zurückgehen: jeder neu immatrikulierte Student musste sich anscheinend als Bock verkleidet die Hörner an einem Türpfosten oder ähnlichem abstoßen, um dadurch symbolisch seine tierische Vorstufe hinter sich zu lassen, schreibt der Duden dazu auf S. 372.
Bei den Widdern der Herde, die wir beobachtet haben, wird es vermutlich aber einfach nur darum gehen, wer der „Chef“ ist. Wir haben nämlich auch beobachtet, dass der Widder mit den längsten Hörnern und einem schönen weißen Fell – also wahrscheinlich der Anführer der Herde – aufgepasst und immer wieder seine Nase nach oben gestreckt und geschnüffelt hat. Ganz unbewusst habe ich gesagt: „Der Widder wittert!“ Nachdem mein Mann meinen Ausspruch wiederholt hat, habe ich mich darüber amüsiert, weil sich das irgendwie lustig anhört, ich das aber einfach ganz unbewusst daher gesagt habe. Wer weiß, vielleicht habe ich damit eine neue Redewendung „erfunden“?!
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Ein Gedanke zu „Hörner“