Von der Liebe

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)

Auch beim Einkaufen kommen mir Redendungen in den Sinn: als ich neulich über dem Brotregal den Spruch „Backen ist aus Teig geformte Liebe“ gelesen habe, dachte ich gleich an „Liebe geht durch den Magen“. Der Duden (Band 11, S. 482) schreibt – in meinen Augen ganz unromantisch – dazu: „(scherzhaft), wer gut kochen kann, gewinnt leicht die Zuneigung anderer“. Die Redewendung scheint jüngeren Datums zu sein, so aus den 50er- oder 60er-Jahren, als die Frau noch hauptsächlich am Herd stand und es als Liebesbeweis galt, wenn sie ihren (hart) arbeitenden Gatten bekochte. Heute scheint es einfach ganz allgemein als Liebesbeweis zu gelten, für seine(n) Liebste(n) zu kochen – oder gut essen zu gehen (für alle, die wie ich nicht so gerne kochen, ist das doch eine gute Alternative…!).

Doch die Liebe bringt mich noch zu weiteren Redewendungen – interessanterweise zu zweien, die auf den ersten Blick eher das Gegenteil voneinander bedeuten, aber gleichermaßen für die Liebe gelten sollen: „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“. Der Duden schreibt zu „Gleich und Gleich gesellt sich gern“: „Menschen gleicher Art, mit gleicher Gesinnung schließen sich gern zusammen“ (Band 11, S. 285). Und zu „Gegensätze ziehen sich an“: „Menschen sehr unterschiedlichen Charakters finden oft Gefallen aneinander“ (Band 11, S. 263). Der Duden beschreibt die Redewendungen also ganz allgemein für Menschen und Beziehungen, ich habe sie aber in Bezug auf Liebe(sbeziehungen) kennengelernt und verwende sie auch so. Deshalb habe ich gefragt, wie es kommen kann, dass zwei Redewendungen, die so gegensätzlich scheinen, gleichzeitig auf eine Liebesbeziehung zutreffen könn(t)en? Die Antwort habe ich – erstaunlicherweise? – rasch und in meiner eigenen Beziehung gefunden, denn es kann ja sein, dass ein Paar zum Beispiel den gleichen Humor hat (also „Gleich und Gleich gesellt sich gern“), wie ich es im Beitrag „Ein berührender Beginn“ beschrieben habe: dort erzähle ich die Geschichte von Rainer (meinen jetzigen Mann) und wie wir uns beim Einkaufen für eine Party beide über Überraschungseier mit Baseball-Caps amüsiert haben (- und wie sich der Kollege, der dabei war, aufgeregt hat, weil wir uns – in seinen Augen – so „kindisch“ verhalten haben). Und gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen wir ganz unterschiedlich „ticken“ (also „Gegensätze ziehen sich an“). Ein gutes Beispiel dafür ist der kreativen Bereich: während Rainer stundenlang in feinster Detailarbeit filigranen, wunderschönen Schmuck erschaffen kann (seine Kreationen sind zu finden unter www.art-for-us.de/Schmuck), habe ich dafür keine Geduld. Wenn ich male, dann kann es vorkommen, dass ich – wie in einem Kurs – in zwei Stunden eine abstrakte Wüsten-Landschaft auf eine (große) Leinwand „klatsche“ (wer wissen möchte, wie das Bild aussieht, hier der Link zum erklärenden Pdf „Wüste“ – mehr Bilder unter www.art-for-us.de/Bilder). Das (stundenlange) Malen von Glockenblumen auf einer Blumenwiese – ebenfalls Bestandteil des Kurses war – war so gar nicht meins und so war ich mehr als erleichtert, als ich mich der abstrakten Landschaft widmen konnte/durfte.

Interessanterweise bin ich (und andere) immer wieder fasziniert, mit welcher Geduld Rainer an seinen Schmuckstücken arbeitet – während andere von meinem Malstil fasziniert sind. Meist sind das gerade die Menschen, die eben ganz gegensätzlich „arbeiten“ oder gar kein Talent für so etwas (kreatives) haben. Wie schön, dass auch gegensätzliches (so) bereichernd sein kann!

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