(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)
Schon die Redewendung „So ein Lavendel“ stammt aus einer meiner Lieblingszeitschriften, dem „Servus in Stadt & Land“. In der Ausgabe Juli 07/2023 habe ich diese lustige Redewendung „So ein Lavendel“ entdeckt, dann aber beim Lesen der anderen Beiträge noch einiges mehr an Redewendungen gefunden, die ich Euch in diesem Beitrag erklären möchte.
Im Artikel „Das grüne Netzwerk“ (Servus, Juli 07/2023, S. 20) bin ich gleich im ersten Abschnitt über die Redewendung „Schweigen im Walde“ gestolpert und auch eine (mögliche) Bedeutung, denn es steht dort: „Und dann… herrscht „Schweigen im Walde“. Dieser Redewendung bedienen wir uns, um absolute Stille zum Ausdruck zu bringen.“ Was für eine schöne Beschreibung! Allerdings schreibt der Duden (Bd. 11, S. 690) noch etwas weniger schmeichelhaftes: (umgangssprachlich) „niemand sagt etwas, niemand will oder kann antworten“ – gerade Lehrpersonen dürften diese Bedeutung nur allzu gut kennen…! Bei der Recherche nach der Herkunft werde ich allerdings nicht fündig, aber ich denke, die meisten verbinden den tiefen Wald mit absoluter Stille und so wird jemand irgendwann diese Redewendung geprägt haben und danach hat sie ihre weitere Bedeutung bekommen. Wer etwas dazu herausfindet, darf es gerne in die Kommentare zu diesem Beitrag schreiben!
Der Artikel „Lieblinge des Sommers“ (Servus, Juli 07/2023, S. 65) hält gleich zwei Redewendungen in der Einleitung bereit. Sie handeln beide von einem meiner Lieblingspilze, dem Pfifferling: „Wenn man keinen Pfifferling auf jemandes Meinung gibt, so hält man dessen Ansicht für völlig uninteressant. Und ist etwas keinen Pfifferling werrt, dann ist es komplett wertlos. Das gilt auch für diese zwei Redewendungen, sobald man den Weißwurstäquator Richtung Süden überschritten hat: Im Österreichischen und Bayerischen verwendet man sie nämlich nicht. Hier heißen Pfifferlinge ihrer wunderschönen dottergelben Farbe wegen nämlich Eierschwammerl.“ Der Duden (Bd. 11, S. 576) schreibt dazu: „Diese beiden Wendungen gehen darauf zurück, dass der Pfifferling früher eine der am häufigsten vorkommenden Pilzsorten und entsprechend billig, nahezu wertlos war.“ Heute ist das – wie die meisten Pilzsucher bestimmt wissen – allerdings nicht mehr so – und Fundorte werden als Familiengeheimnisse gehütet und nur weitergegeben, wenn der Suchende sich als würdig erweist.
Sicher weniger bekannt, aber – wie ich finde höchst amüsant – ist die Redewendung, welche ich im Artikel „Sommerfrische im Allgäuer Seeland“ (Servus, Juli 07/2023 auf Seite 117 entdecke: „Kühe, Kühe, Kühe. Die gibt’s wahrlich zum Saufüttern in dieser schönen Gegend.“ Kühe zum Saufüttern? Wo gibt es sowas? Laut Internet gibt es Redewendung „zum Saufüttern“ tatsächlich und bedeutet bayrisch umgangssprachlich: „sehr viel, mehr als genug, in ungeheurer Menge“. (https://de.wiktionary.org/wiki/zum_Sauf%C3%BCttern, 19.07.2023) Auch hier bleibt die Suche nach der Herkunft erfolglos und wohl nicht immer gab es (in Europa) genug zu essen, dass auch für die Säue noch Futter übrig blieb. In neuerer Zeit kann ich mir allerdings gut vorstellen, dass mehr als genug Essen(-sreste) übrig bleiben, für die Säue also mehr als genug Futter übrig bleibt.
Nicht direkt aus dem Artikel, aber inspiriert durch eines der Fotos auf Seite 117 – es zeigt die Pfarrkirche St. Alexander und Georg in Niedersonthofen (übrigens überrascht und begeistert das Servus-Magazin immer wieder durch hervorragende, äusserst ansprechende Fotostrecken und Bebilderung der informativen Artikel) – kommt mir die Redewendung „die Kirche im Dorf lassen“ in den Sinn und mein Mann steuert noch „mit der Kirche ums Dorf reisen“ bei. Selber verwende ich die Redewendungen nicht (ich weiß jedenfalls grad kein Beispiel dafür), aber da ich in dieser Serie ja auch auf (fast) vergessene, nur noch kaum oder gar nicht mehr gebräuchliche Redewendungen hinweisen möchte, nehme ich sie hier mit auf. Der Duden schreibt zu den Bedeutungen dieser umgangssprachlich verwendeten Redewendungen: „die Kirche im Dorf lassen“ bedeutet „etwas im vernünftigen Rahmen belassen, nicht übertreiben“ und „mit der Kirche ums Dorf fahren“ wird verwendet für „unnötige Umwege, Umstände machen, einen Vorgang komplizieren“. In beiden Wendungen steht das Wort „Kirche“ für die „Kirchgemeinde“ und bezeichnet den längeren Weg, der meist bei ländlichen Bittprozessionen um das Dorf eingeschlagen wurde, so der Duden weiter.
Bei der Suche nach einem passenden Titel für diesen Beitrag ist mir die Idee mit dem „na servus“ gekommen, denn das ist ebenfalls eine (österreichische?) Redewendung, die ich aus dem Buch „Die wundervolle Buchhandlung“ kenne – wer mehr zu diesem äusserst lesenswerten Buch wissen möchte: im Beitrag „Lesenswerte Bücher“ schreibe ich darüber. Die Autorin Petra Hartlieb schreibt auf Seite 31: „Beim ersten Kontakt mit den neuen möglichen Kunden hält man mich für eine Mitarbeiterin der Müllabfuhr, … mit orangefarbener Dienstkleidung. Ich streiche die Innenwände der Schaufenster, und Passanten bleiben stehen. „Wer ist denn das, der die Buchhandlung übernimmt?“, fragt ein älterer Herr im grauen Mantel. „Ich bin das“, sage ich. „Mein Mann und ich.“ – „Na servus“, meint er nur und betrachtet kopfschüttelnd den farbbeklecksten Overall. Na servus. Er spricht mir aus der Seele.“ Wikipedia schreibt, „na servus“ würde als „Ausruf des missbilligenden Erstaunens“ verwendet (https://de.wikipedia.org/wiki/Servus, 26.07.2023), wobei ich den Begriff „missbilligend“ doch sehr hart finde. Einmal stelle ich hier fest, dass Bezeichnungen und Redewendungen im Dialekt sehr viel „weicher“ sind, nicht so verurteilend und abwertend. Ich würde deshalb statt „missbilligendes Erstaunen“ eher sagen, dass es dabei um eine Sache geht, die mit einem „liebevoll-kritschen Blick“ betrachtet wird. Gar nicht so einfach, mit dem Dialekt (mehr dazu übrigens auch im Beitrag „Was steckt im Dialekt?“).
Die nächste Ausgabe des Servus-Magazins ist soeben im Briefkasten gelandet. Ich bin schon gespannt, welche Redewendungen ich wieder darin entdecke!
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2 Gedanken zu „Na servus“