(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)
Neulich bin ich beim Lesen einer meiner Lieblingszeitschriften – dem Servus in Stadt & Land – in der Ausgabe Juli 07/2023 auf eine lustige Redewendung gestoßen, die ich Euch hier nicht vorenthalten möchte. In seiner monatlichen Kolumne „Der Gartenfreund“ schreibt der österreichische Autor René Freund über die Freuden und Leiden des (Gärtner-)Lebens. Dieses Mal geht es unter dem Titel „Rosenkavalier“ (S. 38) um das Thema Rosen und Lavendel – und die Frage, ob diese zusammenpassen. René Freund kommt – nach einigen Irrungen und Wirrungen – zum Schluss: So ein Lavendel! Und meint damit: „So ein Blödsinn!“ Wie das? Die einschlägige Gartenliteratur ist sich doch einig, dass Rosen und Lavendel ein untrennbares Gespann im Garten sind. Doch Freund stellt bald fest, dass alle irgendwie dasselbe schreiben, manchmal sogar wortgleich… also: voneinander abschreiben! Besonders stutzig machte ihn dann die Formulierung „Schon die alten Griechen und Römer…“, denn damit kann alles Mögliche gemeint sein – ja, er vermutet sogar, dass daher auch die abwertende Bemerkung mit dem Lavendel stammt! (Besonders interessant finde ich allerdings seine Anmerkung dazu, dass bei weniger anmutigen Pflanzen als Rosen und Lavendel – also zum Beispiel Kraut oder Kohl – die Sätze mit „Schon die alten Kelten und Germanen…“ beginnen…!)
Übrigens schreibt René Freund nicht nur witzige Kolumnen, sondern hat auch das sehr berührende, zum Lachen und Weinen bringende Buch „Niemand weiß, wie spät es ist“ geschrieben, eines meiner absoluten Lieblingsbücher, schon mehrmals gelesen. (Mehr zu diesem besonderen Buch in meinem Adventskalenderbeitrag vom letzten Jahr: Lesenswerte Bücher).
Interessanterweise kennt der Duden (Band 11, Redewendungen) den Ausdruck „So ein Lavendel“ nicht. Unter dem Stichwort Lavendel finde ich nur die Redewendung „uralt Lavendel sein“ (umgangssprachlich), was so viel bedeutet wie: „etwas völlig Veraltetes, Altmodisches sein“. Die Wendung bezieht sich anscheinend scherzhaft auf den Markennamen eines Eau de Cologne der Firma Lohse mit Lavendelduft, das früher sehr bekannt war (weiß das Internet). Mehr finde ich zum Thema „Redewendung“ und „Lavendel“ (leider) nicht (auch nicht im – eben doch nicht? – allwissenden Internet…).
Aber bei den Wörtern Kraut und Kohl (siehe den letzten Satz des ersten Abschnitts) kommt mir noch „(wie) Kraut und Rüben“ in den Sinn, die auch meinem geliebten Duden bekannt ist: „völlig ungeordnet, unordentlich“ ist die (vermutlich bekannte) Bedeutung. Über die – vermutlich weniger bekannte – Herkunft schreibt der Duden: „Die Herkunft dieser Wendung ist nicht völlig geklärt. Sie könnte sich auf (…) einen Rübenacker beziehen, auf dem während der Ernte Rüben und die abgeschnittenen Rübenblätter durcheinander liegen. Denkbar wäre auch der Bezug auf ein Eintopfgericht, bei dem Kraut (=Kohl) und Rüben zusammen gekocht werden.“ Womit wir wieder bei Kraut und Kohl (und den Kelten und Germanen) wären… ob das alles stimmt, was ich hier (ab-)schreibe? Hoffentlich! Und sonst könnt ihr immer noch sagen, denken oder in den Kommentaren schreiben: „So ein Lavendel!“
#nicolettasamira #Worte_die_verzaubern #blog #serie #redewendungen #zeitschrift #servus #garten #lavendel #rosen #römer #griechen #kraut #rüben #kelten #germanen #duden
5 Gedanken zu „So ein Lavendel“