(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)
Mein Alltag bringt mich immer wieder zu Redewendungen, die ich sonst nicht so präsent habe – wie kürzlich in der Küche: ich war am Kochen und mit den Gedanken woanders, so dass ich – statt das Wasser in den Dampfkochtopf bis zum Siebeinsatz einzufüllen – das Sieb herausgenommen habe und am Wasserhahn Wasser ins Sieb einfüllen wollte…!
Und da habe ich mich gefragt, ob ich „Eulen nach Athen trage“ oder eine „Sisyphusarbeit“ verrichte… Weil ich das selber nicht grad so „aus dem Stegreif“ – diese Redewendung kommt mir während des Schreibens in den Sinn! – beantworten kann, greife ich für diesen Beitrag auf meine bewährten Quellen zurück:
Laut Duden Band Nr. 11 „Redewendungen“ bedeutet „Eulen nach Athen tragen“: „etwas überflüssiges tun“. Zur Herkunft der Redewendung schreibt der Duden: Bei den alten Griechen kam die Eule in und um Athen häufig vor (sie galt als Sinnbild von Weisheit und wurde der Göttin Athena zugeordnet, der Schutzgöttin Athens), weshalb es wenig Sinn macht, noch mehr Eulen dorthin zu bringen, es sind ja schon viele da.
Zur Sisyphusarbeit schreibt der Duden online folgendes: „sinnlose, vergebliche Anstrengung; schwere, nie ans Ziel führende Arbeit“ und zur Herkunft: Sisyphus ist eine Gestalt der griechischen Mythologie. Er war dazu verurteilt, einen Felsblock einen steilen Berg hinaufzuwälzen, der kurz vor Erreichen des Gipfels jedes Mal wieder ins Tal rollte. (Quelle: (https://www.duden.de/rechtschreibung/Sisyphusarbeit, abgerufen am 2. Juni 2023).
Was mich etwas ratlos zurücklässt… ist überflüssig dasselbe wie sinnlos? Da ich nicht Germanistik studiert habe, versuche ich mir anderweitig zu helfen. (Interessanterweise erinnert mich diese „Forschungsarbeit“ dann doch an mein Studium: im Rahmen meines BWL-Studiums habe ich zwei Jahre Jura studiert und musste während dieser Zeit als Seminararbeiten immer wieder Rechtsfälle lösen, entsprechende Quellen zitieren und argumentieren – also in etwa das, was ich hier grad versuche…!). Ich bemühe also Duden Band Nr. 8 (Das Synonymwörterbuch): unter dem Stichwort „überflüssig“ finde ich tatsächlich das Synonym „sinnlos“. Q.e.d. – würde jetzt der Mathematiker sagen: quod erat demonstrandum („was zu beweisen war“)! Ich habe also Eulen nach Athen getragen und eine Sisyphusarbeit verrichtet… so viel Sinnlosigkeit…
Lustigerweise stolpere ich im Duden Nr. 11 (Redewendungen), während ich nach einer anderen Redensart zum Stichwort „Wasser“ suche (mehr dazu dann im Beitrag „Wasser“), über folgenden Ausspruch: „Wasser in ein/mit einem Sieb schöpfen“, was bedeutet: „sich mit etwas Aussichtslosem abmühen“. Und egal, wie man es nun bezeichnen will: es war wirklich sinnlos, überflüssig und nicht zielführend, was ich da in der Küche versucht habe… wohingegen ich diesen Blogbeitrag sehr sinnreich finde. Wobei: gibt es dieses Wort „sinnreich“ überhaupt? Statt nochmal meine obigen Quellen zu bemühen, würde ich jetzt zu gern (kurz) meine Tante anrufen: sie hatte auch so einen „Sprach-Tick“ (oder wie man das nennen möchte), ist aber leider im vergangenen Jahr gestorben und fehlt mir seither schmerzlich als zuverlässige und engagierte „Quelle“ – auch sie hat mit Vorliebe Duden und Wörterbücher gewälzt und sich mit wachem Geist an meiner „Wortsuche“ beteiligt. Zum Glück gibt es in unserer Familie noch mehr „Sprach-Verrückte“… mehr dazu im nächsten Beitrag dieser Reihe: „Noch mehr zum Sieb“).
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6 Gedanken zu „Vom sinnlosen Sieb“