Die Heilig-Kreuz-Kapelle

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Mit dem Motorrad zu Maria“ – mehr dazu auf der Übersichtsseite der Beitragsserien – und ist gleichzeitig das 5. Türchen des Adventskalenders für Euch.)

Als ich die Heilig-Kreuz-Kapelle zum ersten Mal besucht habe, dachte ich, dass sie nicht zur Serie „Mit dem Motorrad zu Maria“ gehört, denn der Name hat ja gar nichts mit Maria zu tun.

Es war ein herrlicher Herbstttag, das bunte Laub der Bäume und Reben leuchtete vor einem blauen Himmel und ich genoss es, mit dem Motorrad unterwegs zu sein, auch wenn die Strecke zur unscheinbaren Kapelle nicht besonders spannend zu fahren war und es inwzischen auch schon recht kühl auf dem Motorrad war. Doch ich war so gespannt auf diese „Entdeckung“ (ich hatte die Kapelle erst kürzlich durch Zufall entdeckt), dass die klammen Finger schnell vergessen waren, denn windgeschützt in der Sonne wurde mir bei der Kapelle schnell wieder warm.

Zuerst möchte ich die Umgebung auf mich wirken lassen, und spaziere deshalb langsam um die Kapelle herum. Da überrascht mich an der einen Seite der Kapelle eine heilige Frauenfigur in einer liebevoll gestalteten Grotte – erst meine ich, dass es sich dabei um eine Marienfigur handelt und denke, dass die Kapelle also doch zur Serie passt, doch dann wird mir anhand eines Schildes klar, dass es sich um eine Lourdes-Grotte handelt und die Figur deshalb die heilige Bernadette darstellt (also doch nix mit  Serie, denke ich ein bisschen enttäuscht). Trotzdem setze ich mich eine Weile aufmerksam vor die Grotte und freue mich darüber, dass es hier so etwas gibt, denn auch die heilige Bernadette hat für mich eine besondere Bedeutung: ich bin zwar (noch) nie in Lourdes gewesen, aber als kleines Mädchen haben meine Eltern mit mir und meinen älteren Geschwister Nevers besucht, wo der unversehrte Leichnam der französischen Heiligen in einem gläsernen Sarg aufgebahrt wird. Damals konnte ich nicht wirklich begreifen, welches Wunder ich gesehen hatte. Erst viele Jahre später habe verstanden, was ich da gesehen habe und bin seither fasziniert von der heiligen Bernadette. (Ich habe noch heute eine Postkarte dieses  „Schneewittchensarges“, wie er da in einem riesigen Kirchenraum steht.) Ich verweile noch einen Moment bei der Grotte, bevor ich die Kapelle ganz umrunde und meinen Blick weit über die Felder bis zu den Rebbergen am Fusse des Schwarzwaldes schweifen lasse.

Ich stärke mich am Brunnen vor der Kapelle mit ein paar Schlucken Wasser und betrete dann behutsam den schlichten, aber erstaunlich großen Innenraum.

Und siehe da: in einer Seitenkapelle begegnet sie mir doch noch: Maria! (Womit dieser Beitrag eben doch zur Serie „Mit dem Motorrad zu Maria“ gehört.) Die Darstellung mit einem schwer leidenden Christus spricht mich zwar nicht so an, aber ich finde es trotzdem schön, dass es auch hier möglich ist, eine Kerze anzuzünden.

Dann kann ich mich endlich in Ruhe der „Berühmtheit“ (und Besonderheit) dieser Kapelle widmen: das sogenannte wundertätige Kreuz. Welch ein Kontrast zur anderen Christus-Darstellung mit Maria! Der Jesus hier am diesem kleinen und völlig unscheinbaren Kreuz lächelt, man möchte fast sagen verschmitzt wie ein Kind (und man ist versucht, ebenso verschmitzt zurück zu lächeln!), so dass ich mich sofort vollkommen getröstet und geborgen fühle (ohne mich aber vorher traurig oder verloren gefühlt zu haben). Und so habe ich einmal mehr vollkommen „zufällig“ einen Ort der Ruhe und der Kraft gefunden.

P.S. Was mir an diesem Ort noch so besonders gefällt: bisher habe ich bei jedem Besuch ganz nette und überaus interessante Menschen getroffen, die scheinbar alle durch ihre Liebe zu diesem wundervollen Ort (und zum Motorradfahren) verbunden sind. Wie schön!

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4 Gedanken zu „Die Heilig-Kreuz-Kapelle“

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