Ein Schritt

Manchmal braucht es nur einen Schritt (zurück), um die Perspektive zu ändern und den Weg vor sich wieder zu erkennen. Doch manchmal ist genau dieser Schritt der schwierigste, weil wir ihn einfach nicht sehen, nicht erkennen, nicht bemerken, dass es diesen einen Schritt (zurück) genau jetzt braucht, um vorwärts zu kommen.

Genau so erging es mir die vergangenen Tage, wenn nicht sogar Wochen. Immer wieder gesundheitlich angeschlagen, kann ich meine Ideen nicht wie gewünscht umsetzen und weil mein neues Arbeitszimmer auch nicht so schnell fertig wird, wie ich das gerne hätte und deshalb mit einem provisorischen Arbeitsplatz vorliebnehmen muss, werde ich von Tag zu Tag unzufriedener und lustloser. Dass der Frühling genauso wenig in die Pötte kommt wie ich, macht die Sache auch nicht besser.

Eines Abends sage ich genervt zu meinem Mann: „Ich steh‘ mir selber total auf dem Schlauch!“ Mein Mann sagt erst mal nichts – bis ich, wütend auf mich selbst, dass ich so „unterwegs“ bin – hinterher schiebe: „… und das schlimmste daran ist, dass ich nicht weiß, wie ich da wieder runterkomme!“ Mein Mann schaut mich an und sagt: „Vielleicht mit einem Schritt zurück?“

Ein ruhiger Moment und mir ist klar, dass er recht hat, auch wenn ich noch nicht so recht weiß, wie ich das machen soll. Erst neulich hatte ich nämlich im Newsletter einer Kunstschule etwas über die Tür, die nach innen aufgeht, gelesen. (Es ging darum, wie wir in dieser seltsamen Zeit die Tür zum Schöpferischen öffnen können und wie wichtig es ist, dass diese Tür geöffnet ist und dadurch etwas Neues in die Welt kommen kann.) Und eine solche Tür kann ich ja auch nur öffnen, in dem ich einen Schritt zurück trete. Noch während ich schreibe, wird mir klar, dass es auch hier (wahrscheinlich) – wieder einmal! – darum geht, loszulassen. Interessanterweise habe ich am Nachmittag des Gesprächs mit meinem Mann in der Küche ein Erlebnis, das mir gezeigt hat, wie gut (und einfach) es ist, mal einen Schritt zurück zu treten und etwas loszulassen – ohne mir dessen wirklich bewusst zu sein. (Ich wollte schon länger mehr Ablagefläche in der Küche schaffen und hatte dazu auch eine fixe Idee, wie das zu machen wäre, doch es kam nicht dazu. Nachdem ich beschlossen hatte, das Thema ruhen zu lassen, hatte ich plötzlich beim Werkeln in der Küche eine so simple Idee, die ich auch sofort umsetzen konnte, dass ich mich gefragt habe, warum ich nicht schon viel früher darauf gekommen bin…!)

Und so versuche ich, statt mich in eine Sache (oder gar mehrere!) zu verrennen, in Ruhe einen Schritt zurück zu treten – in der Hoffnung und im Vertrauen darauf, dass sich mir dann der nächste Schritt –vielleicht auch der nächste Wegabschnitt? – erschließt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht…

Ein Gedanke zu „Ein Schritt“

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