Eine (schöne) Gartengeschichte

Nachdem ich nun schon mehrmals die Geschichte meines neuen Rhododendrons erzählt habe, schreibe ich sie jetzt einfach auf – für alle zum Nachlesen:

Wann ich angefangen habe, von einem Rhododendronbeet im Garten zu träumen, weiß ich nicht (mehr)… vielleicht auf meiner ersten mehrwöchigen Radtour in die Bretagne? (Wobei mich dort eher die mächtigen Hortensien mit ihren großen blauen Blüten beeindruckt haben, welche so typisch für diese Landschaft sind.)

So habe ich mich damit begnügt, in jedem Gartencenter, Baumarkt oder wo es sonst Rhododendren zu kaufen gab, diese sehnsüchtig zu bewundern und auch immer wieder verstohlen auf das Preisschild zu schielen, aber die waren leider alle viel zu teuer… da Rhododendren sehr langsam wachsen, spiegelt sich das natürlich auch in den Preisen wieder.

Doch eines Tages waren wir in der landwirtschaftlichen Genossenschaft, um etwas zu besorgen – was, weiß ich nicht mehr. Ganz am Zaun stand ein Rhododendron, nicht mehr ganz so klein wie die meisten, die man so kaufen kann, allerdings in einem jämmerlichen Zustand. Als ich einen der Gärtner frage, ob ich es wohl schaffen würde, diesen wieder aufzupäppeln, schaut er aufs Preisschild und sagt: „Fünf Euro!“ Schon die neun Euro, die draufstanden, waren für einen Rhododendron dieser Größe sehr wenig, und jetzt bekamen wir ihn sogar für fünf?! Und ja, der würde schon wieder, der müsse einfach endlich eingepflanzt werden, in richtige Rhododendronerde. Naja, denke ich, da kann man ja wohl nicht viel falsch machen.

Und so bin ich zu meinem ersten Rhododendron gekommen, der gleich im ersten Jahr über und über geblüht hat. Die Blüten haben sich immer erst in einem ganz kräftigen Pink geöffnet, um danach über verschiedene Stufen von Rosa bis weiß zu verblassen. Eigentlich mag ich rosa Farbtöne nicht so, deshalb hat der Rhododendron dann auch den Namen Baby-Rhododendron bekommen…

Dazu ist später eine Kamelie mit kräftig roten Blüten und dem klangvollen Namen „Black Lace“ gekommen. Doch entlang der schönen Hainbuchen-Hecke, die eine Seite unseres Gartens begrenzt, war noch viel Platz. Als ich mich einmal mit der älteren Frau im Nachbarhaus über ihren violetten Rhododendron im Vorgarten unterhalte, meint die, dass ihr dieser gar nicht mehr gefalle, sie würde ihn am liebsten ausreißen und auf den Kompost werfen. Das geht doch nicht! Kurzerhand wird er in unseren Garten umgepflanzt.

Leider haben die beiden den heißen und trockenen Sommer vor zwei Jahren nicht verkraftet und sind jämmerlich vertrocknet. Ein bisschen traurig war ich natürlich schon über den Verlust meiner geliebten Rhododendren, aber die Kamelie ist inzwischen so groß, dass sie für sich allein schon ein wundervoller Blickfang ist. So war unser Garten also wieder rhododendrenlos… bis zu meinem Geburtstag in diesem Jahr:

Mein Geburtstag liegt Ende März – dieses Jahr durch die allgemeine Situation eine spezielle Zeit. Wir versuchen bereits zu diesem Zeitpunkt schon, nur für das Nötigste unterwegs zu sein. Doch irgendwann stelle ich fest, dass wir keine Blumenerde mehr haben (ich wollte ein paar Pflanzen umtopfen). Da mein Mann an meinem Geburtstag frei hat und sowieso zum Einkaufen fährt, besorgt er mir – ausnahmsweise, zur Feier des Tages! – in der landwirtschaftlichen Genossenschaft noch Blumenerde. Und bringt mir auch noch ganz unverhofft ein wunderschönes Geburtstagsgeschenk mit: einen kleinen, gemäß Abbildung in kräftigem Rot blühenden Rhododendron! Wie ich mich darüber freue! Am Nachmittag wird er eingepflanzt. Da wir leider keine Rhododendron-Erde mehr haben – Rhododendren mögen saure Böden und deshalb ist normale Blumenerde nicht wirklich geeignet – schauen wir im Internet nach, ob und wie wir uns da behelfen können: einfach trockenes Laub unter die normale Blumenerde mischen. Da ich im Herbst immer einen Teil des Laubes für die Igel (und andere Tiere) unter der Hecke liegen lasse, können wir dem Rhododendron also einen passenden Boden bereiten. Da es schon wieder außergewöhnlich trocken ist, wird der kleine Strauch natürlich täglich gegossen (mit Regenwasser!) – und schon bald zeigen sich die ersten roten Blütenblätter! Ein paar Tage später steht der kleine Strauch in voller Blüte! Täglich freue ich mich über diesen kleinen, so über und über blühenden Strauch, und während des Gießens und Betrachtens der Blüten habe ich plötzlich angefangen, mit der Pflanze zu sprechen – ich habe einfach angefangen, mich mit „Herr Rhododendron“ zu unterhalten – und da nebenan die Kamelie steht, hat diese nun den Namen „Frau Kamelie“ erhalten. (Wem das vielleicht seltsam vorkommt: auch anderes bekommt bei mir einen Namen… nachzulesen im Beitrag „Wie meine Lady zu ihrem Namen kam“!)

Und so freue ich mich nun täglich an Frau Kamelie und Herr Rhododendron.

#Worte_die_verzaubern

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