Bergbau im Bein

Auch wenn es meine (treuen) Blogleser vielleicht schon nicht mehr hören können, dass ich mit dem Motorrad gestürzt bin und meine Lady schmerzlich vermisse: mir hilft es, darüber zu schreiben!

Denn wenn die Sonne auf die grünen Wiesen scheint und die Berge von der gegenüberliegenden Talseite grüßen, die Wanderer und Mountain Biker zu ihren Touren aufbrechen  oder ich vom Balkon aus die (Wage-)Mutigen auf dem Fluß beim River Rafting beobachten kann (das muss ich unbedingt auch mal machen!), dann fällt mir manchmal schon die Decke auf den Kopf, weil ich mit meinem dicken bunten Bein immer noch so immobil bin. Es ist ja nicht so, dass ich starke Schmerzen hätte (zum Glück!) und ich weiß natürlich, dass es weitaus schlimmer hätte ausgehen können, aber manchmal werden mir die Tage doch lang und oft fühlt es sich in meinem Bein so an, als würden da irgendwelche kleine Gestalten Bergbau betreiben: sie hämmern und bohren und schlagen wie wild auf den Fels ein – ja, manchmal scheinen sie den Fels auch zu sprengen, das sind da die Momente, in denen mir fast die Luft wegbleibt und mein Kreislauf ins Schwanken kommt. Aber wie gesagt nicht wirklich als Schmerz, sondern mehr so als unangenehmes, zum Teil äusserst heftiges Ziehen.

Erst habe ich ja noch gedacht, dass das ganze nach ein paar Tagen verheilt sein würde, aber weit gefehlt. Nach einer Woche sah es fast noch schlimmer aus wie nach dem Sturz und so hatte ich via Telemedizin-App dann auch mit einer Ärztin Kontakt aufgenommen (der Arzt vor Ort hier hatte Urlaub): kühlen und abwarten, war ihre Antwort, nur wenn es sich entzündet, dick und rot wird und ich Fieber bekomme, müsse ich zum Arzt. Aha, viel schlauer (und beruhigter) war ich nun auch nicht (die „Dramaqueen“ lässt grüßen!). Aber da hier alle so naturverbunden sind, es überall Hirschhorn-, Murmeltier- und Arnikasalbe gibt, erkundigte ich mich mal in der Apotheke nach einem Heilmittel. Und siehe da, die Apothekerin mischt mir Rostockessenzen (vorher noch nie davon gehört) und erzählt mir, dass eine Kollegin von ihr von einem Kalb ins Auge getreten worden sei, das Auge an sich zwar unverletzt blieb, aber durch einen Bluterguss komplett zugeschwollen. Sie hätte dann diese Mischung eingenommen und der Bluterguss sei so schnell weg gewesen, dass sogar die Ärzte erstaunt gewesen seien… ein richtiges Wundermittel also? Nun, seit ich es einnehme, hat der Bergbau in meinem Bein begonnen, der Bluterguss geht eindeutig zurück und ich kann schon fast wieder normal gehen, zumindest kürzere ebene Strecken. Und auch wenn mir das natürlich alles viel zu langsam geht und ich in diesen Ferien wohl nicht mehr zum Bogenschießen auf den 3d-Parcours werde gehen können (wofür wir ja hierher gefahren sind), so ist das doch ein Riesen-Fortschritt und ich versuche dafür dankbar zu sein. Und manchmal ertappe ich mich sogar dabei, dass ich denke, die kleinen Gestalten wüssten nur allzu gut, wie schwer es mir fällt, Geduld zu haben und würden deshalb extra hart arbeiten, damit ich bald wieder herumspringen und Motorrad fahren kann! Und dafür bin ich ihnen natürlich wirklich dankbar und nehme auch gern alls das Unangenehme dafür in Kauf. Und falls sich jetzt jemand fragt, ob ich wohl bei meinem Sturz auf den Kopf gefallen bin, dann kann das natürlich durchaus sein (wobei ich ja schon vorher als „bekloppt“ bezeichnet wurde), aber ich glaube, es liegt einfach an dieser zauberhaften, wundervollen und heilsamen Landschaft, die einem solche Dinge erfinden und glauben lässt – und das ist doch einfach wunder-wunder-schön.

#Worte_die_verzaubern

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