Die ungeweinten Tränen

Als ich vor ein paar Wochen an meinem Hals eine Schwellung ertaste, die sogar auch sichtbar ist, witzeln wir noch darüber, dass ich jetzt einen „dicken Hals“ hätte. Meine Hausärztin allerdings diagnostiziert einen Knoten in der Schilddrüse und überweist mich sofort an die Nuklearmedizin – und mir vergeht das Lachen.

Die erste Untersuchung habe ich inzwischen hinter mir. Der Radiologe gibt sich betont gelassen, möchte aber trotzdem noch eine Feinnadel-Punktion vornehmen, um dann – hoffentlich abschließend – urteilen zu können. Auch ohne weiteren Befund wird allerdings eine regelmäßige Kontrolle zur Beobachtung des Knotens nötig sein, auch wenn die Schwellung inzwischen zurück gegangen ist.

Erst hadere ich arg mit der Situation, denn es ist nicht das erste Mal, dass etwas Verdächtiges bei mir einer genaueren Untersuchung und Beobachtung bedarf und die Wartezeit auf Termine und Ergebnisse sind für mich einfach immer Stress pur. Doch irgendwann erkenne ich auch den Segen in der Situation (was zum Blog-Beitrag „Angekommen“ führt). Doch wie so oft, wenn ich – endlich – das Gefühl habe, komplett mit mir im Reinen zu sein, hält dieser Zustand nicht lange an (das habe ich auch schon in „Wie Heilung geschieht“ beschrieben). Denn ich spüre trotzdem, wie mich die Anstrengungen der vergangenen Wochen und Monate geschwächt haben und ich einfach nicht die Energie für all die (schönen) Dinge habe, die ich gern tun würde – und das zehrt noch weiter an meiner Kraft und Geduld und besonders an meiner Zuversicht. Doch irgendwann kommt die Idee auf, dass sich der Knoten in meinem Hals vielleicht einfach dadurch gebildet hat, dass ich bisher zu viel schlucken musste? Interessante Idee. Und tatsächlich formen sich in mir in einem Heil-Retreat die Worte „ungeweinte Tränen“.

Und plötzlich ist mir sonnenklar, dass ich deshalb einen „dicken Hals“ bekommen habe. All meine ungeweinten Tränen sind in meinem Hals stecken geblieben: die Tränen der Wut, der Trauer, der Enttäuschung, des Zorns, der Demütigung, von Schmerz und Verlust, der Erschöpfung und der Lieblosigkeit. Warum ich sie nicht weinen konnte oder durfte, weiß ich nicht so genau, aber ich vermute, es hätte mich und mein Umfeld wahrscheinlich ganz einfach überfordert. Ich glaube, es spielt auch keine Rolle (mehr) zu wissen, warum ich sie nicht weinen konnte. Wichtig ist, dass ich inzwischen wieder weinen „gelernt“ habe. Trotzdem scheint in meinem Körper aber noch vieles gespeichert und abgelegt, und im ersten Moment überwältigt mich diese Erkenntnis, denn es war wie wenn eine riesengroße Welle über mich hereinbrechen und ich darin untergehen würde. Doch dann ist mir – auch hier – bewusst geworden, welche Chance in dieser Erkenntnis liegt: sie birgt das Potential der Heilung!

Denn jetzt darf ich all die ungeweinten Tränen weinen – wenn ich das denn möchte – oder sie auf andere Weise loslassen. Interessanterweise habe ich dazu erst kürzlich eine sehr hilfreiche Methode kennengelernt: mit den sogenannten T.R.E. (Trauma und Tension Releasing Exercises)* ist es möglich, auf einfache Art und Weise Traumata und angestaute Spannung und Stress im Körper abzubauen – wir lassen die Anspannungen einfach aus unserem Körper herauszittern! Und ich bin einmal mehr unglaublich dankbar dafür, dass mir auch dieses Mal das Leben wieder genau das schickt, was ich gerade brauche, um zu heilen– einfach wunder-voll!

Und so kommen hoffentlich auch wieder entspanntere Zeiten, in denen ich voller Energie das Leben genießen kann. (Meine englische Lady freut sich schon drauf…!)

#Worte_die_verzaubern

*Informationen und Einführungsworkshops zu T.R.E. gibt es in der Praxis Susanne Eichin und beim Gesundheitsforum Markgräflerland (Facebook-Seite)

4 Gedanken zu „Die ungeweinten Tränen“

    1. Hallo Michael, vielen Dank für Deine lieben Worte! Es hat lange gedauert, bis ich diese meine Gabe (an)erkennen konnte. Deshalb freut es mich umso mehr, wenn ich mit meinen Worten Menschen berühren kann. Liebe Grüße Nicoletta

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