Nachdem die letzten Wochen emotional ja sehr aufwühlend waren, bin ich nun wirklich reif für die Insel. Ich bin deshalb mehr als froh, dass wir kurz entschlossen für zehn Tage nach Fehmarn gefahren sind. Obwohl uns wie immer vor der langen Anreise gegraut hat, war es dieses Mal weit weniger schlimm als befürchtet: kein einziger Stau, und weit weniger Verkehr als erwartet – mal abgesehen von den unzähligen Lastwagen, die ja ständig unterwegs sind. Die einzigen Verzögerungen haben uns durch Niedersachsen begleitet: eine Reihe von Baustellen, bei denen manchmal nur 60km/h erlaubt waren! Wer hätte das gedacht, dass ich Geschwindigkeitsbegrenzungen mal so was von ätzend finden würde… Denn ich habe mich einmal mehr hinters Steuer gewagt und auch bei drei und mehr Spuren die Nerven behalten! Und manchmal – in entspannten Momenten – konnte ich mein Glück kaum fassen, dass ich mich endlich endlich wieder traue, Auto zu fahren…
Auch auf Fehmarn ist bereits der Frühling eingekehrt: Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge sorgen für Farbtupfer in den Gärten und die milden Temperaturen laden dazu ein, sich auf einer Bank das Gesicht von der Sonne wärmen zu lassen – und mit geschlossenen Augen das sanfte Meeresrauschen zu genießen. Ich habe das leise Klatschen der Wellen auf den Strand auch auf mein Handy gebannt, damit ich dieses beruhigende Geräusch dann mit nach Hause nehmen kann…
Schon in der ersten Nacht wird mir bewusst, welch himmlische Ruhe auf der Insel herrscht. Nichts, aber auch gar nichts, das die Nachtruhe stört. Bereits am Abend war ich überwältigt: ein kurzer Blick aus dem schrägen Dachfenster im Bad offenbart einen atemberaubenden Sternenhimmel. Während ich zu Hause neben dem jetzt sichtbaren „Orion“ nur wenige andere Sterne ausmachen kann, ist der Himmel hier übersät mit unzähligen Sternen – ich werde nicht müde, nach oben zu starren und diesen überwältigenden Anblick in mich aufzunehmen. Und dann bin ich einfach nur noch dankbar für die wundervollen Geschenke, die mir das Leben grad überreicht.
Ich genieße es immer wieder, mein Leben in den Ferien auf das Einfache zu reduzieren: in den Tag hineinleben (ohne an Morgen zu denken), schlafen und ausruhen, die frische Luft und das Meer genießen, gemütlich einkaufen und kochen, lesen, Musik hören, schreiben – und so gut es geht auf Handy und Internet zu verzichten – also einfach meinem eigenen Rhythmus zu folgen und zur Ruhe zu kommen. Balsam für die (geschundene) Seele!
Natürlich keimt dann auch immer der – schon lange gehegte – Wunsch wieder in mir, am Meer zu leben, zumindest für die Wintermonate November bis Februar (allerdings lieber an der Nordsee). Ob er wohl irgendwann in Erfüllung geht? Wer weiß, im Moment möchte ich noch nicht mal über diese Ferientage hinausdenken, zu unsicher und unklar ist die Zukunft danach! Jetzt möchte ich mir einfach eine Auszeit von all den Problemen in meinem Alltag gönnen und vertraue darauf, dass ich danach die Kraft und den Mut habe, mich allem zu stellen. Und ich weiß, dass mit der nötigen Ruhe und Klarheit so viel mehr möglich sein wird – viel mehr, als was ich mir heute überhaupt vorstellen kann. Denn wenn ich zurückblicke, wo ich noch vor ein paar Wochen und Monaten war, dann hätte ich mir auch nie vorstellen können, wo ich jetzt gerade bin…
Und so lehne ich mich zurück und lasse das Leben einfach auf mich zu kommen – in Liebe und Vertrauen und einer großen Portion Neugier!
#Worte_die_verzaubern