Üechtland

Bleiben wir nach den „Helvetismen“, dem „Idiom“ und der „Verwirrung“ grad noch ein bisschen in der Schweiz. Heute geht es um die Stadt Freiburg – oder „Friburg“, wie mein Mann und ich auf alemannisch sagen. Damit meinen wir die Stadt „Freiburg im Breisgau“, welche auch offiziell so heißt (meist Freiburg i.Br. geschrieben). Sie liegt etwa sechzig Kilometer nördlich von unserem Wohnort entfernt und ist immer einen Besuch wert – ein wirklich schönes Städtchen! Dann gibt es aber auch noch das in der französischen (welschen) Schweiz gelegene „Fribourg“ („Fribuur“ ausgesprochen), welches auf Deutsch ebenfalls „Freiburg“ heißt… und deshalb zur Unterscheidung von all den anderen Freiburgs, die es auf der Welt noch gibt, den interessanten Zusatz „im Üechtland“ trägt (Freiburg i.Üe.). Das ist mir neulich wieder in den Sinn gekommen und ich habe mich gefragt, woher die Bezeichnung „Üechtland“ (für „Üsser-Schwiizer“ vielleicht nicht ganz einfach auszusprechen…!) wohl herkommt (übrigens nennen die Walliser, die Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons Wallis, alle anderen Schweizerinnen und Schweizer „Üsser-Schwiizer“, ich verwende hier den Begriff für alle Nicht-Schweizerinnen und -Schweizer – also Ausser-Schweizerinnen und -Schweizer, was er eigentlich auch bedeutet).

Wikipedia (www.wikipedia.de/Üechtland, zuletzt abgerufen am 15. Jan. 2026) schreibt zu „Üechtland“:

Der Name ist ab dem Mittelalter als Landschaftsbezeichnung nachgewiesen, jedoch ist keine Verwaltungseinheit mit dieser Bezeichnung belegt. Im Mittelalter bezeichnete der Name den geografischen Raum vom Fuss der Freiburger Alpen über Freiburg, die Flüsse Saane und Sense bis zum Murtensee (historisch Üechtsee), gelegentlich auch bis an den Bielersee und bis nach Solothurn. Das Üechtland wurde auch als das «Flachland Freiburgs» bezeichnet.

Die Bezeichnung wird in neuerer Zeit als Namenszusatz für die Schweizer Stadt Freiburg zur Unterscheidung vom deutschen Freiburg im Breisgau verwendet.

Die Herkunft des Namens «Üechtland» beziehungsweise «Nuitonie» ist unklar. In romanischen Quellen erscheint er erstmals 1001/1003 als in Otolanda und 1001/1025 als in Otholanda, in alemannischen Quellen erstmals 1082 als Ohtlannden. Eine ältere Vermutung geht dahin, dass das Vorderglied des Namens auf das althochdeutsche uohta ‚Morgendämmerung, Morgenfrühe‘ zurückgehe und im Namenszusammenhang allenfalls ‚Weideplatz‘ bedeute (vgl. mittelhochdeutsch uohte, ursprünglich neben ‚Morgendämmerung, Morgenfrühe‘ auch ‚Nachtweide‘, dann auch allgemein ‚Weide‘). In jüngerer Zeit wird ein keltischer Ursprung in Erwägung gezogen, wobei im Vorderglied ein keltischer Flussname *Ōkta – vielleicht für einen Abschnitt der Saane – stecke. Veraltet beziehungsweise aus sprachlichen Gründen nicht haltbar sind die Erklärungsansätze, die Üechtland auf Ödland (für ‚Wies-, Grasland‘), auf die südlich anschliessende Landschaft Ogo, auf gallisch *ouktia ‚die Höhen‘ beziehungsweise *ōcht(i)ia- ‚hochgelegen‘ oder aber auf den Namen der ehemaligen Besitzer, die Herren zu Ösch (Château-d’Oex), zurückführen.

Üechtland, Nüechtland und Nuitonie sind sprachgeschichtlich identisch; die Varianten mit anlautendem N gehen auf eine falsche Abtrennung in der Phrase in Üechtland beziehungsweise en Uitonie zurück. Eine Herleitung des französischen «Nuitonie» von französisch nuiton ‚Wichtel‘ ist nicht haltbar. Die Westschweizer Sagen über den Elfenkönig Nuithon (auch als Wassergeist Niton, Nuton oder Neton abgeleitet vom antiken Wassergott Neptun), der seinen Schatz im Flussbett der Saane vergraben habe, sind volksetymologische Erklärungsversuche.

Interessant fand ich noch folgenden Hinweis: „In alten Dokumenten findet sich für die Stadt Bern (latinisiert Verona) die Bezeichnung «Verona im Üechtland», um vom Verona in Italien zu unterscheiden, das in der deutschen Sprache früher ebenso «Bern» genannt beziehungsweise zur Unterscheidung von Bern in der Schweiz als «Welsch-Bern» oder «Dietrichsbern» bezeichnet wurde. Gelegentlich fand daher auch die Bezeichnung «Bern im Üechtland» Verwendung.

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4 Gedanken zu „Üechtland“

  1. Sehr spannend! Wörter, wo ü und e zusammenkommen kenne ich sonst gar nicht (zumindest fällt mir keines ein) und die Wichtel mit ihrem König und ihren klingenden Namen sind äußerst fantasieanregend. Nuithon das klingt schon so elfenhaft 😀
    Wie „ausserisch“ müssen den Wallisern erst die Nichtschweizer erscheinen 🤔

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