Niggi Näggi

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Auch zum Advent, aber im Gegensatz zu den Rezepten, die ich bisher veröffentlicht habe („Räucherlachs“, „Noch mehr festliche Rezepte“ und „Krokant Crossies“), zur Serie „Sprache“ gehörend, ist der schweizerdeutsche Begriff „Niggi Näggi“, weil es sich hier eben um eine Begriffs(er)klärung handelt. Der „Niggi Näggi“ bezeichnet im schweizerdeutschen Dialekt salopp den „Santiglaus“. Bei uns war es allerdings so, dass mit „Niggi Näggi“ eher der Nikolaus-Tag gemeint war, während mit „Santiglaus“ die Figur (oder Person) des heiligen Nikolaus gemeint war.

Mit dem 6. Dezember waren bei uns zuhause ein paar (unumstößliche) Traditionen verbunden: zum Beispiel gab es vor dem Niggi Näggi auf gar keinen Fall „Mandarinli“, „Ärdnüssli“ und schon gar keine „Grättimänner“, wie die Weckmänner bei uns genannt wurden (mit „bei uns“ meine ich in Reinach/BL in der Schweiz, wo ich aufgewachsen bin und wo eine besonders beeindruckende St. Nikolaus-Kirche steht). Als ich noch kleiner war, wurde auch mal gebastelt, zum Beispiel eben „Nikoläuse“. Und natürlich kam abends dann der echte „Santiglaus“ mit „Schmutzli“, wie bei uns der Knecht Ruprecht genannt wurde. Nur ein „Eseli“ hatte der „Santiglaus“ nie dabei, was ich immer sehr schade fand. Lustigerweise hat meine Großcousine mir neulich – bei meiner Umfrage, auf die ich weiter unten noch eingehen werde – erzählt, dass sie auch immer nach dem „Eseli“ gefragt hat und der „Santiglaus“ immer geantwortet hat, dass er es am Gartentor festgebunden habe (aber „zur Kontrolle“ aus dem Fenster schauen durfte man dann aber auf gar keinen Fall…!). Sie hat sogar „Rüebli“ fürs „Eseli“ vor der Türe bereit gelegt! (Wer meine Großcousine noch nicht kennt, ich habe schon in einigen Beiträgen über sie geschrieben, zum Beispiel in den folgenden: Noch mehr zum Sieb, Was stimmt jetzt?, Ein Born an Wissen, Von Hundert zu Tausend mit Adam und Eva, Deonyme, S’Möddäli und s’Mödeli, Der Launch mit Lunch.)

Bei uns kam der „Santiglaus“ aus dem Schwarzwald. Das fand ich immer ziemlich unheimlich – ein schwarzer Wald…! Erst später habe ich dann herausgefunden, dass der Schwarzwald ja eine (bekannte) Gegend ist. Seit ich quasi am Fuße des Schwarzwalds wohne (im Markgräflerland), kenne ich das Mittelgebirge inzwischen ein bisschen – aber ganz ehrlich, die meist mit dunklen Tannen bewaldeten Hügel finde ich immer noch ein bisschen unheimlich…!

Aber zurück zu meiner – leider sehr unvollständigen – Umfrage: ich habe mich nämlich daran erinnert, dass ich mich einmal an einem 6. Dezember während der Kaffeepause mit meinen damaligen Arbeitskolleginnen und -kollegen darüber unterhalten habe, woher der Nikolaus kommt. Die religiöse Geschichte des Nikolaus, der aus Myra kommt, kennen die meisten ja wohl, aber was wird den Kindern „vor Ort“ erzählt? Für die meisten kommt der Nikolaus einfach aus dem Wald, so auch für meinen Mann, der zwar am Rande Schwarzwaldes (eben im Markgräflerland) aufgewachsen ist. Für meine Großcousine, die heute im Kanton Aargau lebt und ihre Schwester, die heute in Basel lebt, die aber in Biel/Bienne aufgewachsen sind, kommt der Nikolaus ebenfalls ganz einfach aus dem Wald. Interessanterweise hat der Mann meiner Großcousine, der im Kanton Baselland aufgewachsen ist, sofort gesagt, dass der „Santiglaus“ aus dem Schwarzwald kommt…! Und dann hat er noch hinterher gerufen, dass der „Santiglaus“ auch „Niggi Näggi“ genannt wird… so lustig! Leider weiß ich nicht mehr, woher der „Santiglaus“ in der Innerschweiz kommt. Meine Tante, die früher da gelebt hat, hat es mir mal erzählt (das war glaub nach der Kaffeepausen-Diskussion), aber ich kann mich leider nicht mehr daran erinnern! (Übrigens auch nicht mehr an das „Ergebnis“ der Kaffeepausen-Diskussion, obwohl das bestimmt auch aufschlussreich wäre, denn wir kamen aus verschiedenen Gegenden in der Schweiz und Deutschland), aber jänu. Auf einer Reise durch Costa Rica habe ich schließlich eine Finnin kennengelernt, die aus Rovaniemi kam und die ganz erstaunt war, dass ich diesen Ort nicht kannte. „Da kommt doch der Nikolaus her!“, hat sie ganz entrüstet gerufen. Also kommt der Nikolaus in unserer globalisierten Welt wohl aus Finnland…

Auch eine der unumstößlichen Traditonen war bei uns das Lernen von schönen „Värsli“, um sie dann beim Besuch des „Santiglaus“ aufzusagen (oder – oh Schreck! – singen zu müssen…!). Einfache „Värsli“ wie folgendes Beispiel waren in unserer Familie aber verpönt:

Santi Niggi Näggi
Hinter’m Ofe stäggi
Gimmer Nuss und Biire
Denn chum i wider führe.

Es musste dann schon etwas aufwändigeres sein, damit es auch das ersehnte, mit Nüssen, Schokolade und weiteren Köstlichkeiten gefüllte Jutesäckchen (und vielleicht sogar noch ein „Gschänggli“) gab! (Ich kann die ersten zwei Strophen immer noch auswendig…!)

Im Schwarzwald stoht e Hüüsli.
Im Schwarzwald stöhn vil Bäum.
Uff einmol tönt e Glööglli,
dr Santiglaus kunnt haim.

Är chunnt vo villne Chinder.
Är chnunnt vo mängem Huus.
Si Sagg isch leer vom Schängge
und d’Öpfeli sin druus.

Im Tannewald isch’s finschter,
im Tannewald het’s Schnee.
Am Himmel lüchte d’Stärnli,
S’isch Wiehnachtszyt, juhee.

(Esther Preiswerk/1887-1974, Quelle: altbasel.ch, zuletzt abgerufen am 1. Dez. 2025)

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