S’Möddäli und s’Möödeli

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Zu Ehren des heutigen Geburtstags meiner („sprachverrückten“) Großcousine, die ich bereits in einigen Beiträgen erwähnt habe (so zum Beispiel in „Noch mehr zum Sieb“, „Von Hundert zu Tausend mit Adam und Eva“, „Was stimmt jetzt?“, „Ein Born an Wissen“, „Wärme“ und „Deonyme“), möchte ich ein „Gschichtli“ mit zwei Dialekt-Wörtern erzählen, zu dem sie mir die Idee geliefert hat (ich weiß allerdings nicht, ob sie sich noch daran erinnert).

Wir haben sie einmal an Ostern im Ferienhaus im Misox (Tal, das zum italienischsprachigen Teil des Kantons Graubünden gehört) besucht und dort bei den Vorbereitungen für das Familienfest geholfen. Unter anderem haben wir aus Zopfteig (ein Rezept dazu gibt es im Beitrag „Grättimänner“) „Oschterhäsli“ gebacken und uns darüber unterhalten, ob man für den Teig lieber Margarine oder Butter verwenden soll. Die Antwort war ganz klar: Butter! Dabei ist ihr in den Sinn gekommen, dass ein Verwandter von ihr „dr Butter“ (im Schweizer Dialekt ist es „der Butter“, ich musste mich in der Schule erst an „die Butter“ gewöhnen!) manchmal direkt „vom Möddäli isst“ (also vom Model). „Weisch, dr Reto isst dr Butter amigs diräkt vom Möddäli!“ Ich daraufhin: „Das isch aber scho ä Möödeli, wo-n-är do het!“ Das „Möddäli“ ist also das (Butter-)Model, das „Möödeli“ ist allerdings die Mode – hier im Sinn von Angewohnheit  (im Alemannischen würde mein Mann „Saumodi“ sagen). Wobei „Möödeli“ eher abwertend gemeint ist (so verwende ich das Wort jedenfalls).

Kein „Möödeli“, sondern eben eine schöne Tradition, die ich liebgewonnen habe, ist übrigens die Angewohnheit, beim Aufstieg zu den Rustici (ein Rustico ist eine Art Alphütte), die zum Ferienhaus gehören, bei der weißgetünchten „Capella“ (siehe Beitragsbild), Halt zu machen und eine Münze für den Erhalt dieses Bildstockes durch das Gitter zum Gnadenbild hinein zu werfen. Als Kind musste mich mein Großvater (oder ein anderer Erwachsener, der dabei war), immer hochheben, damit ich die Münze hineinwerfen konnte. Als ich Jahre später, nun selber erwachsen, wieder daran vorbeigekommen bin, war ich ganz erstaunt, dass ich mich gar nicht strecken musste, um die Münze hinein zu werfen. So vergeht die Zeit…

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5 Gedanken zu „S’Möddäli und s’Möödeli“

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