(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Sprache“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Sprache“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Im Beitrag „Der Ohrwurm“ schreibe ich im ersten Absatz, dass ich manchmal denke, dass an mir eine (gute!) Jukebox verloren gegangen ist – und dass ich dieses Wort ja auch einmal hier in der Serie „Sprache“ erklären könnte. Hier nun der Beitrag dazu.
Ich kenne Jukeboxes leider nur aus Filmen (z.B. „Grease“ und „Sister Act“), aber die Vorstellung eines Musikautomaten, in den man eine Münze wirft und dann ein echter Tonträger abgespielt wird, finde ich trotzdem faszinierend. Seit meiner Vinyl-Freude habe ich sogar schon überlegt, eine Jukebox zu kaufen… mich dann aber doch dagegen entschieden, denn gegen unseren Plattenspieler würde sie es vermutlich klanglich dann doch nicht aufnehmen können, ganz abgesehen davon, dass eine echte alte Jukebox (oder Wurlitzer) doch ihren Preis hat.
Aber jetzt zur Herkunft und Geschichte des Wortes „Jukebox“: fast so lange wie es Schallplatten gibt, gibt es Abspielgeräte, die gegen Einwurf einer Münze eine solche abspielen. Doch den großen Durchbruch hat die Jukebox der Vinylschallplatte zu verdanken. Die erste Jukebox, bei der zwischen mehreren Platten ausgewählt werden konnte, kam 1927 auf den Markt (vom Hersteller AMI). Da sich in der Weltwirtschaftskrise (ab 1929) die meisten Clubs, Bars und Tanzlokale keine Live-Bands mehr leisten konnten, waren sie auf die Jukebox angewiesen. Den Namen erhielt die Jukebox schließlich von den sogenannten „Juke Joints“, einer hauptsächlich von Afro-Amerikanern besuchten, meist heruntergekommenen Kneipe im ländlichen Südosten der USA, welche Treffpunkt, Bar, Tanz- und Eßlokal in einem war. Der Begriff „juke“ oder „jook“ kommt vermutlich von „joog“, einem Wort afrikanischen Ursprungs, das ungehobelt oder verrucht bedeutet – die „Juke Joints“ hatten zu ihrer Zeit oft einen schlechten Ruf.
In den 40er-Jahren des Swings hatten dann die Automaten der Wurlitzer Company ihren Höhenflug (der Begriff Wurlitzer ist deshalb zu einem Deonym geworden, das bedeutet, der Begriff wird synonym für den Begriff Jukebox verwendet, mehr dazu im Beitrag „Deonyme“). Die imposanten Maschinen sorgten an jedem Standort für Aufsehen und konnten vierundzwanzig Schallplatten hintereinander abspielen. Die Gehäuse aus Walnussholz mit bunten, animierten Lichteffekten wurden zum Inbegriff der Jukebox. Später wurde der Wurlitzer zwar in technischer Hinsicht von Konkurrenten überholt, aber da hatte er längst Kultstatus erreicht. Mit dem Aufkommen der Single gab es einen weiteren Entwicklungsschub. Schon 1984 brachte Seeburg eine Jukebox auf den Markt, die beide Seiten der fünfzig Singles abspielen konnte, so dass hundert Titel zur Auswahl standen, später wurde dann auf hundertsechzig Titel (achtzig Schallplatten) und zweihundert Titel (hundert Schallplatten) erhöht.
In der Blütezeit der Jukeboxes stieg der Verkauf von Schallplatten deutlich an. Mitte der 40er-Jahre gingen in den USA allein drei Viertel der Schallplattenproduktion in die Bestückung von Jukeboxes. Um die Einnahmen zu erhöhen, wurden auch Tricks angewandt, zum Beispiel die Abspielgeschwindigkeit der Singles erhöht, um die Anzahl der eingeworfenen Münzen pro Stunde zu erhöhen. Als Ende der 50er-Jahre tragbare Radios aufkamen, begann der Niederganz der Jukebox. Aber sie ist und bleibt ein Stück in der Geschichte der Schallplatte (und auch heute noch Kultobjekt), wie auch meine verwendete Quelle für diesen Beitrag beweist, das Buch „Vinyl – Die Magie der schwarzen Scheibe“ (4. Auflage 2021), das natürlich in unserem Bücher- und Schallplattenregal nicht fehlen darf.
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