Im vergangenen Jahr habe ich endlich mein Geschenkbuch veröffentlicht(alle Informationen dazu auf meiner Bücher-Seite).
Nach dem Schreiben der Texte habe ich mich dann gefragt, worüber ich wohl als nächstes schreiben könnte. Lustigerweise ist mir die Idee, die ich bereits einmal hatte, dann wieder gekommen, als ich einer lieben Bekannten (oder vielleicht sogar schon Freundin? ich tue mich manchmal schwer mit diesen „Kategorisierungen“) mein Buch geschenkt habe und ich dabei war, als sie es ausgepackt hat. im Gegensatz zu den meisten Menschen ist sie nicht in Begeisterung ausgebrochen, sondern hat das Buch eher verhalten durchgeblättert. Ich saß gespannt daneben… nach einer Weile sagt sie: „Schön! Wirklich schön. Ich hatte ja schon befürchtet, dass es ein weiteres dieser „Wohlfühlbücher“ ist!“ Ich verstehe sofort, was sie meint. Mir gehen solche Bücher mit schlauen Sprüchen wie „Du kannst alles erreichen!“ oder „Denk positiv!“ oder „Sei Du selbst!“ oder „Sei achtsam!“ und dergleichen auch auf den Keks (oh, da habe ich eine neue Redewendung, über die ich einmal schreiben könnte – einen Beitrag zur Herkunft des Wortes mit dem Titel „Keks (and more)“ habe ich schon veröffentlicht).
Deshalb kann ich gut nachvollziehen, was sie meint, denn genau deshalb hatte ich auch schon die Idee für ein Buch mit dem Titel „Leben passiert“ (oder so ähnlich). Darin soll es genau um (Alltags-)Situationen gehen, in denen positives Denken oder die manchmal doch etwas abgehoben wirkende oder auch lebensfremde Achtsamkeit in meinen Augen eben überhaupt nicht weiterhelfen. Ein paar Beispiele gefällig?
Vor einer Weile bin ich eines Morgens früh in die nächste Stadt gefahren. Ich hatte einen Arzttermin und einen Parklplatz zu finden ist da immer etwas schwierig. Umso mehr freue ich mich, als am Straßenrand eine ganze Reihe von Parkplätzen frei ist. Ich setze den Blinker und fahre an den rechten Straßenrand ins Parkfeld – knirsch… da hat auch schon die Alufelge Bekanntschaft mit dem Randstein gemacht… Leben passiert!
Es gibt einfach Situationen, da hilft es mir wenig, diese zu beschönigen. Wenn ich mit dem Fahrrad einen Laternenpfahl streife (weil ich nicht aufgepasst habe) und über den Asphalt rutsche, dann habe ich nachher einfach eine zerrissene Jeans (und ein paar unangenehme Kratzer). Oder wenn ich mir beim Kochen am heißen Topf die Finger verbrenne, dann tut das eben einfach weh.
Natürlich ist mir klar, dass es nun eben darauf ankommt, wie ich mit solchen Situationen umgehe und es natürlich nicht hilft, wenn ich mich selber zerfleische, weil der Alufelgen nun aussieht, wie wenn ein Bär ihn „zerfleischt“ hätte oder wenn ich den Laternenpfahl verfluche, weil der mir in den Weg „gesprungen“ ist, aber seit Jahren (oder gar Jahrzehnten) da steht. Und da versuche ich natürlich achtsam und gut zu mir zu sein. Aber irgendwie ärgert es einem eben doch, was passiert ist, das lässt sich einfach nicht schön reden! Deshalb finde ich es wichtig zu lernen zu akzeptieren, dass solche Dinge eben einfach passieren. Wir können nicht die ganze Zeit auf einer Achtsamkeitswolke schweben, manchmal passieren einfach Missgeschicke, eben: Leben passiert.
P.S. Deshalb habe ich mir neulich auch einen etwas direkten Kommentar zu einem WhatsApp-Status meiner Schwester nicht verkneifen können: sie liebt es, Ratespiele zu posten und hat sich für dieses Mal ausgedacht, dass die Person, die ihr als erste eine Definition von „Achtsamkeit“ schreibt, ein Workbook zum Thema bekommt, das sie sich gerade selber gekauft hat und von dem sie total begeistert ist. Ich habe ihr dann geschrieben, das Achtsamkeit für mich „im Moment sein“ ist und dass ich dafür kein Workbook brauchen würde…! Ihre Antwort waren zwei Fotos: auf dem ersten ein riesiger Blumentopf, der auf dem Wohnzimmerboden liegt und auf dem zweiten der Blumentopf, wie er wieder neben der Balkontüre steht. Dazu schreibt sie: „Ich war unachtsam. Der Blumentopf ist beim Lüften umgefallen. Jetzt richte ich ihn ganz achtsam einatmend ausatmend wieder auf.“ Ich denke: Leben passiert. (Übrigens weiß ich leider nicht mehr, um welches Buch es sich genau handelt, aber wer – doch – etwas Derartiges sucht: einfach bei Google die Stichworte „Workbook“ und „Achtsamkeit“ eingeben, dann erscheint eine endlose Liste… einfach achtsam durchsuchen…!)
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Ein Gedanke zu „Leben passiert“