(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Berührende Bücher“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Noch mehr berührende Bücher“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Wütend dreht Milena an den Knöpfen ihres Radios, um einen Sender mit guten Empfang rein zu bekommen… doch als es endlich klappt, stellt sie enttäuscht fest, dass es ein ostdeutscher Sender ist. Dabei fehlt auf dem Mixtape für ihre Freundin Sabine nur noch ein Song! Denn die beiden tauschen jede Woche eine Kassette mit Musikaufnahmen westdeutscher Radiosender aus. Das Radio, Milenas größter Schatz, hat sie von ihrem Opa bekommen. Sie schafft es schließlich doch noch, die Kassette voll zu bekommen – mit Songs wie „Another brick in the wall“ von Pink Floyd, „School’s out“ von Alice Cooper, „Manic Monday“ von The Bangles, „Take on me“ von A-ha oder „Strangelove“ von Depeche Mode. Doch dann verliert sie die Kassette in der U-Bahn auf dem Rückweg von der Schule. Und ausgerechnet ein Junge aus Westberlin, der mit seinen Kumpel einen Ausflug nach Ostberlin macht, wo Milena mit ihrem Vater und Bruder wohnt, findet die Kassette…
Der (Jugend-)Roman „Und morgen am Meer“ von Corinna Bomann geht unter die Haut – mir jedenfalls. Jedes Mal, wenn ich das Buch wieder in die Hand nehme, kann ich kaum glauben, wie vor gar nicht langer Zeit mit Menschen umgegangen wurde – mit Menschen, die von Freiheit und von einem besseren Leben träumen, mit Menschen, die lieben (wollen) oder einfach ein menschengerechtes Leben leben wollen.
Doch Milena lebt in der DDR und somit ist ihr der Umgang mit dem „Staatsfeind“ aus dem Westen verboten, auch wenn Claudius (aus Westberlin) sie besucht und ihr Briefe schreibt (die von der Stasi allerdings abgefangen und geöffnet werden…). Als man Milena droht, sie wegen dieses verbotenen Kontaktes in den Jugendwerkhof zu stecken und dafür zu sorgen, dass sie kein Abi machen und somit auch nicht studieren darf, ist für Claudius klar: er muss sie da rausholen. Ungefähr zur selben Zeit öffnet Österreich seine Grenze zu Ungarn und so scheint eine Flucht möglich. Mit dem Motorrad von Milenas Bruder begeben sie sich auf die gefährliche Reise, auf der sie auf unglaublich hilfsbereite Menschen (aber auch andere) treffen und beide wissen: es gibt kein Zurück… selten habe ich bei einem Buch so gebibbert, ob dann wirklich alles gut ausgeht wie bei diesem. Vielleicht auch, weil es für mich so total unvorstellbar ist, in einem so autoritären diktatorischen System leben zu müssen – und wie die Menschen in so einem System trotzdem ihren Humor und ihre Hoffnung nicht verloren haben. Wie gut, dass diese Zeiten – zumindest für die DDR – vorbei sind…!
Ich habe von Corinna Bomann auch noch andere Bücher gelesen, zum Bespiel die Romane „Die Sturmrose“, „Sturmherz“ und „Das Mohnblütenjahr“ und die Trilogien „Die Frauen vom Löwenhof“ und „Die Farben der Schönheit“, doch keines der Bücher hat mich so berührt wie „Und morgen am Meer“, dass es immer noch in meinem Bücherregal steht und dass ich immer mal wieder in die Hand nehme, um darin zu lesen.
Nachtrag einen Tag nach der Veröffentlichung dieses Beitrags: Jetzt habe ich es doch glatt vergessen! Dieser Roman hat mich auch deswegen sehr berührt, weil ich selber ein großer Fan der Pop- und Rockmusik der 80er-Jahre bin – das zeigt sich auch in meiner neuen Serie hier im Blog: Vinyl-Freude!
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