(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Berührende Bücher“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Noch mehr berührende Bücher“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Manchmal entdecke ich ganz unverhofft doch noch unbekannte Autor(innen) von historischen Romanen – neben Fantasy das Genre, das mein Mann ebenfalls gerne liest. Denn da er sehr viel liest, ist es manchmal gar nicht so einfach, ein passendes Buch zu finden, das ihm gefallen könnte und er noch nicht gelesen hat. Doch dann habe ich „Die elfte Jungfrau“ von Andrea Schacht entdeckt (die Autorin lebt leider nicht mehr) und habe es sogar dann selber auch gelesen, obwohl es manchmal etwas gruselig ist – denn es ist wie alle anderen Bücher, die ich in diesem Beitrag vorstelle, nicht nur eine spannende Geschichte, sondern ein historischer Krimi. Aber die Figuren, von der Begine Almut und ihren Mit-Beginen bis zum gestrengen Pater Ivo und den hitzigen Wortgefechten, die er sich mit Almut liefert, sind so köstlich, dass ich über die anderen Passagen einfach „hinweg“ gelesen habe. Als ich dann noch entdeckt habe, dass das Buch nicht nur Teil einer fünfbändigen Reihe ist, sondern es noch zwei weitere fünfbändige Reihen gibt, die mit dieser ersten zusammen hängen, habe ich diese – immerhin vierzehn Bücher! – gleich bestellt… und mit Begeisterung gelesen!
Die fünf Bände der Reihe „Begine Almut Bossart“ spielen alle im mittelalterlichen Köln. Nach einer unglücklichen Ehe lebt Almut nun lieber – relativ frei, zumindest freier als in einer Ehe – in einem Beginenhof. Als Tochter eines Baumeisters baut sie selber gerne, nach einem Stall wagt sie sich sogar an den Bau einer (kleinen) Kapelle im Beginenhof. Ihr aufgewecktes – und manchmal aufmüpfiges – Wesen passen zwar nicht so recht zur demütigen, einfachen grauen Beginentracht und sie eckt damit auch immer wieder an, findet dann aber in Pater Ivo einen durchaus ebenbürtigen „Gegner“. Gemeinsam gelingt es ihnen, die verschiedenen Morde in den fünf Bänden der Reihe aufzuklären: Der dunkle Spiegel, Das Werk der Teufelin, Die Sünde aber gebiert den Tod, Die elfte Jungfrau und Das brennende Gewand. Dabei gerät Almut immer wieder in höchste Lebensgefahr, aber am Ende wird sie dann doch immer wieder gerettet…
Weiter geht es mir der Reihe „Alyss“, einer temperamentvollen jungen Weinhändlerin in Köln, die sogar mitten in der Stadt einen kleinen Weinberg hegt und pflegt. Sie steht einem äusserst lebhaften Hauswesen vor, dass nicht nur (störrische) tierische Schützlinge beherbergt, sondern auch verschiedenen Kindern und Jugendlichen ein (vorübergehendes) Zuhause bietet. Auch wenn Alyss die Halbwüchsigen mit liebevoller Strenge erzieht, treiben diese doch allerlei Schabernack, aber ihre Augen und Ohren und verschiedenen Verbindungen zu ganz unterschiedlichen Menschen in der Stadt helfen, die mysteriösen Fälle in den fünf Bänden aufzuklären: Gebiete sanfte Herrin mir, Nehmt Herrin diesen Kranz, Der Sünde Lohn, Mit falschem Stolz und Das Lied des Falken. Nach einem misshandelten Hund, einer schnatternden Gänseschar und einem verwahrlosten Esel spielt zum Schluss ein weißer Falke die Hauptrolle bei den Tieren…
Auf der ersten Blick haben zwar die Geschichten von „Myntha, die Fährmannstochter“ nichts mit den anderen Bänden zu tun. Doch dann wird klar, dass die mutterlose Myntha eine Weile bei Alyss gelebt hat – und diese auch später in wichtigen Fragen immer wieder um Rat fragt. Außerdem lebt die frühere Gänsemagd von Alyss, die temperamentvolle Lore, nun als Köchin im Fährhaus. Nachdem Myntha auf tragische Weise ihren Verlobten verloren hat und seitdem manchmal schlafwandelt, ist sie dem örtlichen Vikar ein Dorn im Auge. Dafür lenkt sie durch ihre Neugier und ihren Mut die Aufmerksamkeit des düsteren Frederic Bowman auf sich, der in der Nähe der Fähre in einer Kate lebt und sich als „Wache“ abgerichtete Raben hält. Die beiden liefern sich – ähnlich wie Begine Almut und Pater Ivo aus der ersten Reihe – herrliche Wortgefechte, doch schaffen sie es dann eben auch gemeinsam, die ungeklärten Fälle zu lösen, an denen die offizielle Gerichtbarkeit scheitert: Die Fährmannstochter, Die silberne Nadel, Das Gold der Raben, Mord im Badehaus und Das Erbe der Kräuterfrau. In dieser Reihe hat es mir besonders das kleine weiße Katerchen Mico angetan, das Myntha aus den Fluten des Rheins rettet – und die Beschreibungen der blühenden Heide, in der weitab von anderen Menschen ganz besondere Gestalten zuhause sind.
Die mutigen Frauen in diesen Büchern haben mich deshalb so fasziniert, dass sie nicht nur gewitzt genug sind, (Mord-)Fälle aufzuklären, welche die verantwortlichen Herren nicht lösen können – auch wenn sie sich dabei machmal in Lebensgefahr bringen!, sondern sie gehen auch mutig und unerschrocken ihren eigenen Weg, trotzen den Konventionen ihrer Zeit und schaffen es am dann doch noch trotz vielen Hindernissen, ihre große Liebe zu heiraten. Ist das nicht schön? So kann man am Ende einer Reihe getrost das Buch zur Seite legen, im Wissen, dass nun alles gut ist…
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2 Gedanken zu „Mutige Frauen im Mittelalter“