(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Berührende Bücher“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Noch mehr berührende Bücher“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)
Es gibt nicht viele Bücher, die ich nach dem ersten Lesen in mein Bücherregal stelle, um sie immer wieder einmal in die Hand zu nehmen und darin zu lesen, aber das Buch „Mühle mit Meerblick“ von Kim Henry hat mich so berührt, dass ich es behalten habe. (Kim Henry ist übrigens ein Pseudonym für ein deutsch-dänisches Autorinnen-Duo: die dänische Autorin Corinna Vexborg lebt auf Fünen und die deutsche Autorin Nicole Wellemin lebt in München.)
Interessanterweise habe ich von Kim Henry zuerst das Buch „Eine Tüte buntes Glück“ gelesen. Doch das Buch hat mich nicht so überzeugt. Warum ich mir dann auch noch die „Mühle mit Meerblick“ besorgt habe, das auf der dänischen Insel Strynø spielt (einer kleinen Insel, die von Fünen aus mit der Fähre erreicht werden kann), kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht habe ich auch beide zusammen gekauft? Auf jeden Fall fand ich bereits den Anfang der Geschichte sehr spannend: Line aus Kopenhagen reist auf die Insel, weil sie dort (bisher unbekannte) Verwandte vermutet. Von ihrer (unbekannten) Mutter besitzt sie nur ein einziges Foto, dass die damals junge Frau vor einer Mühle zeigt. Als Line im Fernsehen einen Bericht über Strynø sieht, erkennt sie die Mühle sofort wieder – und reist die Insel. Denn in Kopenhagen hält sie nichts mehr: als (ungeliebtes) Pflegekind in verschiedenen Pflegefamilien und in einem Heim für Jugendliche aufgewachsen, konnte sie nie eine Ausbildung machen und hat deshalb von einem unbefriedigenden Gelegenheitsjob zum nächsten gewechselt.
Und tatsächlich findet sie auf der Insel nicht nur liebevolle Verwandte, sondern lernt auch dem mysteriösen Adam kennen, den sie heimlich sogar zu Beginn den Insel-Ripper nennt. Sie kann bei ihrer Mormor (Großmutter mütterlicherseits) wohnen und heuert für Arbeit auf der Fähre an, was sich bald als vielmehr als nur ein Job herausstellt und ihr das größte Abenteuer ihres Lebens beschert – sie kann dadurch mehrere Monate auf einem Segelschulschiff um die Welt segeln.
Ich hatte während des Lesens manchmal das Gefühl, selber auf Strynø unterwegs zu sein und mit Line und ihrem Kumpel der Fähre mitzufahren, denn obwohl ich noch gar nie dort war, so war ich doch schon auf einigen dänischen Inseln, die nur mit der Fähre erreicht werden können – und kann mich noch gut an den eigenen Zauber erinnern, der über einer solchen Insel liegt: es ist ein eigener (kleiner) Kosmos, eine eigene Welt mit einer eigenen (langsameren) Zeit. Ein wahrer Sehnsuchtsort.
P.S. Das Foto für diesen Beitrag stammt übrigens auch von einer dänischen Insel, die nur mit der Fähre erreicht werden kann: Samsø (Insel im Kattegat/Ostsee):

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