Wiener Jahreszeiten

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Berührende Bücher“. Hier geht es zum erklärenden Beitrag „Noch mehr berührende Bücher“ und zur Übersichtsseite mit allen Beiträgen.)

Auch wenn ich viele Bücher nach dem Lesen weggebe, verschenke oder verkaufe, so sammelt sich da trotzdem einiges an. Nach einem Blick in meine Bücherregale habe ich bereits eine ganze Liste von Büchern, über die ich gerne schreiben möchte.

Für diesen Beitrag habe ich mir eine vierbändige Reihe ausgesucht, die uns ins alte Wien mitnimmt. Ich habe die Reihe entdeckt, weil ich die Autorin Petra Hartlieb schon gekannt habe – sie hat ein anderes meiner Lieblingsbücher geschrieben: „Meine wundervolle Buchhandlung“ – ich schreibe darüber im Beitrag „Lesenswerte Bücher“.

Die Reihe startet mit „Ein Winter in Wien“ um das Jahr 1910. Marie stammt von einem armen Bauernhof, schafft es aber schließlich, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und beim berühmten Schriftsteller Arthur Schnitzler in Wien eine Stelle als Kindermädchen zu bekommen. Dabei kommt sie zum ersten Mal in ihrem Leben mit der Welt der Bücher und des Lesens in Kontakt – zum Beispiel, als sie für ihren Dienstherrn in der nahegelegenen Buchhandlung Bücher abholt – und dabei den jungen Buchhändler Oskar kennenlernt. Dass die Buchhandlung von Friedricht Stock,  in der Oskar arbeitet, am gleichen Ort wie die Buchhandlung von Petra Hartlieb liegt, ist wohl kein Zufall…

Die Geschichte geht in „Wenn es Frühling wird in Wien“ weiter. Nachdem Marie von ihrem Dienstherrn im ersten Band Eintrittskarten fürs Theater geschenkt bekommen hat, besucht sie mit Oskar zu Beginn des Buches das k.k. Hofburgtheater und ist ganz überwältigt von all der Pracht. Außerdem wird von ihrem Alltag als Kindermädchen berichtet, wie sie sich um die Kinder kümmert, als wären es ihre eigenen, aber auch als Dienstmädchen einspringt, als dieses ausfällt. Auch ein großes Erlebnis für Marie ist der Besuch des Zoos (Menagerie) mit den beiden lebhaften Kindern (Heini und Lili). Der Untergang der Titanic ist ebenfalls Thema. Nachdem Oskar Teilhaber der Buchhandlung von Friedrich Stock geworden ist, fasst er sich ein Herz und fährt ohne dass Maries Wissen zu ihren Eltern aufs Land…

Der „Sommer in Wien“ beginnt am Meer: Marie darf ihren Dienstherrn und seine Familie in die Sommerfrische nach Brioni begleiten und kann ihr Glück kaum fassen. Sie kümmert sich nicht nur rührend um die Kinder, sondern schafft es neben ihrer Arbeit sogar, sich um Fanni Goldberg zu kümmern, deren Eltern eine große Buchhandlung in Wien besitzen und Bekannte von Oskar sind. Ganz überraschend stirbt schließlich Friedrich Stock, der Buchhändler – und Oskar steht mit dem Geschäft plötzlich ganz allein da. Doch mit Marie an seiner Seite schafft er das. Sie heiraten und bekommen ihr erstes Kind – doch der unerwartete Ausbruch des ersten Weltkriegs trübt ihr junges Glück.

Der vierte und letzte Band „Herbst in Wien“ beschreibt die weiteren Kriegsjahre mit ihren Entbehrungen und Schwierigkeiten. Marie gibt ihr Bestens, damit ihre Kinder nicht allzu sehr zu hungern brauchen und Oskar schafft es trotz Krieg, die Buchhandlung am Laufen zu halten. Die Freundschaft mit den Goldbergs hilft ihnen dabei. Danach wandeln sich die Zeiten und Marie beginnt sich ab 1924 mit Fanni für mehr Frauenrechte einzusetzen. Am Ende des Buches im Jahr 1931 stirbt Arthur Schnitzler und „der kleine Heini“, der inzwischen natürlich erwachsen ist und Heinrich genannt wird, besucht die Buchhandlung von Marie und Oskar und vermacht ihnen eine Fotografie des berühmten Schriftstellers für das Schaufenster der Buchhandlung. Leider fallen am Ende des Buches bereits die Schatten des zweiten Weltkriegs über das liebevolle Familienleben und es bleibt offen, wie es weitergeht.

Und warum durfte jetzt diese Reihe in meinem Bücherregal stehen bleiben, während ich anderes aussortiert habe? Die Geschichte berührt mich deshalb, weil sie sehr schön geschrieben ist und auf eindrückliche Weise Maries Weg schildert. Sie hat immer an ihre Träume geglaubt und hat es deshalb geschafft, von einem ärmlichen Bauernhof auf dem Land weg ins prachtvolle Wien zu kommen. Und es ist eine Liebesgeschichte: die Liebe zwischen Marie und Oskar, die ganz zart beginnt und die sie durch alle Erlebnisse hindurch zusammenhält – aber auch die Liebe zu Büchern und zum Lesen, die Oskar schon kennt (und die ihm hilft, die furchtbare Kindheit im Waisenhaus zu überstehen) und die er Marie nach und nach mit liebevoll ausgewählten Büchern näher bringt – bis auch sie diesem Zauber und dieser Faszination erliegt.

#nicolettasamira #Worte_die_verzaubern #blog #serie #bücher #berührend #jahreszeiten #wien #winter #frühling #sommer #herbst #dichter #schriftsteller #theater #kindermädchen #jugendstil #haushalt #buchhandlung #buchhändler

Hinterlasse einen Kommentar