Was soll der gute Rutsch?

(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)

Normalerweise befasse ich mich ja in meiner Serie „Redewendungen“ mit Redewendungen, die ich interessant, lustig oder besonders originell oder aus einem anderen Grund erwähnenswert finde. In diesem Beitrag möchte ich mich allerdings zwei Redewendungen widmen, die ich überhaupt nicht mag.

Beim Schreiben der Weihnachtskarten ist es mir nämlich wieder aufgefallen: warum wünschen wir uns – neben den frohen Festtagen natürlich – einen guten Rutsch ins neue Jahr? Ich habe mich – übrigens nicht zum ersten Mal – gefragt, warum wir das machen, denn wer möchte schon ins neue Jahr rutschen? Also ich kann mir da durchaus angenehmeres vorstellen… aber schauen wir mal, was der Duden dazu schreibt (Band 11, Redewendungen – Details zu meinen Quellen gibt es hier: Ein Born an Wissen): Es handelt sich wahrscheinlich um eine volkstümliche Verwendung des missverstandenen klangähnlichen Wortes „rosch“ aus dem Jiddischen, was Anfang bedeutet. Andere Quellen (im Internet) schreiben auch von „rutschen“ als Reisen oder Fahren oder dem Rutschen als sanften Übergang – und sind sich nicht so ganz einig, woher der Ausspruch kommt. Was irgendwie passt: denn so wenig, wie ich erklären kann, warum ich den Ausspruch nicht mag, so wenig lässt er sich anscheinend erklären… Ich habe dieses Jahr – und vielleicht auch in den vergangenen Jahren, das weiß ich nicht mehr so genau – versucht, auf die (beliebte) Redewendung zu verzichten, was allerdings gar nicht so einfach ist! Oft habe ich einfach „einen guten Übergang ins neue Jahr“ geschrieben (auch wenn ich diese Worte schon etwas langweilig finde) oder ich habe mich einfach schon auf das neue Jahr bezogen und ein „gesundes neues Jahr“ gewünscht. Am einfachsten, aber auch nicht unbedingt ein Ausbund an Kreativität ist das, was ich Euch hier und jetzt wünsche: „Kommt gut ins neue Jahr!“ (Bin ich froh, dass ich jetzt ein ganzes neues Jahr Zeit habe, um mir für die nächste Weihnachtskarten-Schreiberei ein paar ansprechende Formulierungen zu finden…! Vielleicht hat ja jemand von Euch schon Ideen? Dann bitte in die Kommentare schreiben – danke!)

Genauso seltsam finde ich den Ausspruch „zwischen den Jahren“ – und auch hier gilt, dass ich gar nicht genau sagen kann, was mich daran stört, außer natürlich, dass er nicht korrekt ist, denn zwischen Weihnachten und Silvester ist immer noch dasselbe Jahr… aber schauen wir mal, was wir dazu herausfinden: Früher war der Jahresbeginn nicht einheitlich und klar geregelt, sondern das Jahr begann je nach Ort an einem anderen Tag. Die Zeit dazwischen wurde zur Zeit zwischen den Jahren. Und auch wenn im Jahr 1691 der Jahresbeginn für die christliche Welt auf den 1. Januar festgelegt wurde, so hat sich die Redewendung bis heute erhalten. (Quelle: gfds.de, abgerufen am 30.12.2023) Wie gut, dass ich diesen Ausspruch so gut wie nie verwende, da brauche ich schon keine passendere Formulierung dafür zu finden!

#nicolettasamira #Worte_die_verzaubern #blog #serie #redewendungen #rutsch #neujahr #wünsche #herkunft #rosch #zwischen #jahren #silvester #weihnachten #reisen

3 Gedanken zu „Was soll der gute Rutsch?“

  1. Hi Nicoletta,

    Interessante Gedanken! Den „guten Rutsch“ finde ich eigentlich ziemlich gut, denn er klingt für mich so dynamisch und macht mir irgendwie Hoffnung, dass das neue Jahr doch irgendwie gut werden kann, wenn man so hineingetragen wird, indem man „rein rutscht“. Hingegen frage mich bei dem „ein gesundes neues Jahr!“, wie ein solches den eigentlich gesund sein kann. Für eine Zeiteinheit ist das ja eher unpassend. Es gibt ja auch keine kranke Stunde, einen erkälteten Tag oder eine schmerzende Minute. ^_^

    Den Ausdruck „zwischen den Jahren“ mag ich auch nicht so. Den kenne ich erst, seit wir von Sachsen nach Hessen gezogen sind, und hier gibt’s den Ausdruck sogar noch mundartlich unterlegt als „zwische de Joahrn“. Okayyy. Aber das Leben steht auch in Hessen nicht still und trotzdem kann man hier die gesamte Woche noch shoppen, essen oder ins Kino gehen, ohne dass die Zeit stillsteht. Dabei klingt der Ausdruck für mich immer ein bisschen nach Stillstand. Hmm…

    Viele Grüße
    Uwe

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Uwe,
      danke für Deine Erläuterungen! Ja, etwas dynamisches hat der Rutsch schon – mmh, mal sehen, ob ich mich doch noch damit anfreunden kann 😉 mit dieser „neuen“ Sichtweise vielleicht… 🙂
      Interessant, was Du zum „gesunden neuen Jahr“ schreibst! Das habe ich mir noch gar nie so richtig überlegt, aber Du hast vollkommen recht! Ich musste echt grinsen bei der kranken Stunde oder dem erkälteten Tag. Schon bizarr, wie viele Aussprüche man einfach so verwendet… obwohl ich mich doch mit dem Thema „Sprache“ beschäftige.
      Das „zwischen den Jahren“ kenne ich auch erst, seit ich in Deutschland lebe (ich bin in der Schweiz aufgewachsen). Und das Leben steht auch bei uns nicht still, auch wenn die meisten Urlaub haben.
      Viele Grüße und e guete Rutsch 🙂
      Nicoletta

      Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar