(Dieser Beitrag ist das 24. Türchen des diesjährigen Blog-Adventskalenders. Auf der Übersichtsseite sind alle Beiträge/Türchen verlinkt.)
Die „Familienkrippe“, die ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, ist ja leider verschollen. Obwohl ich sie wahrscheinlich zuletzt vor über dreißig Jahren gesehen habe, kann ich mich noch sehr gut an sie erinnern. Ich durfte sie ja immer aufbauen – und das war eine besondere Ehre für mich. Ganz vorsichtig habe ich den Stall aus den schön geformten Holzteilen zusammengesteckt und die wunderschönen bemalten Holzfiguren dazu gestellt – das war für mich im wahrsten Sinn des Wortes ein „Krippenspiel“. In den Stall kamen natürlich Maria, Josef und Jesus in der Krippe. Später haben sich dann noch ein kräftiger Ochs und ein Esel dazu gesellt. Dazu kamen vor der Krippe, von rechts herkommend und majestätisch ausschreitend, die heiligen drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar mit dem Kamel (oder eben: Dromedar) – wobei, der Balthasar (grün gewandet), kniete vor dem Stall nieder, mit einer Schatztruhe in der Hand. Ich war immer tief beeindruckt von diesen Weisen aus dem Morgenland. Links von der Krippe stand ein lustiger Hirtenbub mit Flöte und hütete die Schafe. Eine Wasserträgerin, die – wie der Hirtenbub – erst später dazu kam, rundete das orientalisch anmutende Bild ab.
Als Kind habe mich immer wieder gefragt, warum wir zuerst nur wenige Figuren hatten und diese erst nach und nach ergänzt wurden. Neulich habe ich mich dann daran erinnert, dass meine Mutter die Figuren im „Heimatwerk“ gekauft hat (ein Geschäft, dass es in verschiedenen Schweizer Städten, u. a. Basel gibt und Handwerkskunst aus der Schweiz verkauft) und ich habe deshalb im Internet nachgeschaut, ob es diese Krippe und die Figuren noch gibt – und siehe da, unter www.heimatwerk.ch (abgerufen am 11. Dez. 2023) gibt es tatsächlich noch einige der Figuren! Die Krippe habe ich zwar nicht mehr gefunden, aber zum Beispiel die Wasserträgerin und den knienden Balthasar. Als ich die Preise sehe, bleibt mir kurz die Luft weg und mir wird klar, warum die Figuren erst nach und nach ergänzt wurden, denn eine einzelne Figur kostet bereits mehrere Hundert Schweizer Franken… einen wahren – nicht nur „geldwerten“ – Schatz hat meine Mutter da über die Jahre zusammengetragen!
Doch es ist nicht der Geldwert, der mich wünschen lässt, dass dieses Kleinod wieder auftaucht, sondern es ist die Schönheit des Kunsthandwerks, das mich schon als Kind begeistert und berührt hat und ich deshalb mit dieser kunstvollen Krippe und ihren wunderschönen Figuren viele friedliche und tröstende Erinnerungen verbinde. Und mir wird bewusst: Die Erinnerungen sind das kostbarste an diesem verschwundenen Schatz.
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