(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Redewendungen“. Hier geht es zum ersten erklärenden Beitrag „Was macht der Storch im Salat?“ und zur Übersichtsseite.)
Vor einer Weile stand ich am Sonntagmorgen vor dem Kühlschrank und stellte fest, dass es nicht mehr genügend Eier für ein Rührei gab, da wir für das Abendessen auch noch Eier brauchen würden. „Ich hätte gestern doch noch Eier einkaufen sollen!“, sage ich zu meinem Mann. Er erwidert: „Hätte, hätte, Fahrradkette!“ So lustig! Ich habe diesen Spruch noch nie gehört und ihn gleich notiert, denn mir war sofort klar, der „muss“ in meine Serie über die Redewendungen hier im Blog, grad weil er auf den ersten Blick so sinnlos erscheint, aber s.o viel bedeutet wie: „was hätte man besser machen können“ oder „was wäre wenn“.
Auf der Suche nach der Herkunft dieses lustigen Ausspruchs finde ich folgendes: Der Ausspruch wird vermutlich zum ersten Mal im Jahr 2009 in der deutschen Fernsehserie „Stromberg“ verwendet (da ich die Serie nicht kenne, kann ich leider nichts genaueres dazu schreiben). Als der SPD-Politiker Peer Steinbrück die Redewendung „Hätte, hätte, Fahrradkette“ im Jahr 2013 – er war damals Kanzlerkandidat – in einem Interview verwendet (er bezog sich dabei auf einen verunglückten Wahlkampfslogan), wird sie in Deutschland populär. Wer es noch genauer wissen möchte, kann den genauen Wortlaut des Interwies zum Beispiel auf folgender Internet-Seite (oder auf vielen anderen) nachlesen: www.bedeutungonline.de (01.09.2023). Der Ausspruch ist inhaltlich ja total unsinnig und dürfte nur aufgrund des Reimes und der Anzahl der Silben entstanden sein (www.redensarten-index.de, 05.09.2023).
Mir kommt als gleichbedeutend noch in den Sinn: „Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär mein Vater Millionär.“ Der Duden führt die Redewendung zwar in seinem Band 11 auf, schreibt aber nicht näheres dazu. Auch meine anderen Quellen schreiben dazu nicht mehr.
Interessanter- oder auch lustigerweise bin ich auf der Suche nach einem Bild für diesen Beitrag rasch fündig geworden: das Foto stammt von unserer Radtour der Donau entlang, im Jahr 2007 sind wir von der Quelle im Schwarzwald bis nach Wien geradelt und unterwegs, als wir gerade an einem schönen Rastplatz am Radweg Pause machen, kippt das abgestellte Fahrrad meines Mannes einfach weg! Der Ständer bleibt dabei im Boden stecken, er ist einfach abgebrochen. Und so ist – völlig unbeabsichtigt – ein passendes Foto einer Fahrradkette entstanden. Wenn wir damals dieses Foto nicht gemacht hätten oder später gelöscht hätten oder… „Hätte, hätte, Fahrradkette!“
P.S. Als wir rund zwei Wochen nach der Veröffentlichung dieses Beitrags im Urlaub sind, streckt mir mein Mann plötzlich das Buch hin, in dem er gerade liest (es ist ein Krimi, der auf der Ostseeinsel Fehmarn spielt) und zeigt auf eine Zeile. Da steht: „Wäre, wäre, Ostseefähre.“ Ich brauche einen Moment, bis ich realisiere, was ich da lese! Doch dann schmunzle und freue ich mich, dass es offensichtlich regionale Anpassungen der Redewendung „hätte, hätte, Fahrradkette!“ gibt – auch wenn das Fahrrad ebenfalls gut zu Fehmarn passt (es gibt auf der Insel rund dreihundert Kilometer gut ausgebaute Radwege). Ich bin gespannt, ob ich noch andere regionale Ausprägungen finde!
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