(Dieser Beitrag gehört zur Serie „Mit dem Motorrad zu Maria“. Für alle, die meine Beitragsserien noch nicht kennen – hier geht es zur Übersichtsseite! Und ich setze in diesem Beitrag auch meinen Neujahrsvorsatz um.)
Als ich zum ersten Mal die schneeweiße Wallfahrtskirche auf dem grünen Lindenberg vor dem strahlend blauen Himmel leuchten sehe, ist mir sofort klar: da möchte ich unbedingt hin.
Mein erster Ausflug auf den Lindenberg ist findet dann allerdings bei einem Wetter statt, das so gar nicht zu einem Ausflug einlädt: der Oktobertag ist kalt und es regnet in Strömen. Motorradfahren konnte ich damals noch nicht (bei einem solchen Wetter wäre ich auch nicht damit unterwegs) und ein Auto hatte ich auch nicht (das ist heute immer noch so). Aber ich hatte damals eine liebe Freundin, die mir unbedingt mit einem Ausflug eine Freude machen wollte – denn es ging mir damals nicht so besonders. Und so habe ich mir gewünscht, nach Maria Lindenberg zu fahren.
Die schneeweiße Kirche auf dem grünen Hügel hat es mir während eines Klinikaufenthaltes in der Nähe angetan. Bei schönem Wetter strahlte die Kirche richtiggehend ins Tal hinunter, darüber wölbte sich der blaue Himmel – ein friedlicher und tröstender Anblick in dieser schwierigen Zeit. Tatsächlich gab es auch eine Gruppe von Mitpatientinnen und -patienten, die einmal an einem Wochenende – obwohl Winter war – auf den Lindenberg wanderten. Da ich die Wochenenden (zum Glück) zu Hause verbringen durfte, bin ich nicht mitgewandert – es wäre mir damals wahrscheinlich auch (viel) zu anstrengend gewesen.
Doch zurück zu meinem ersten – unvergesslichen – Ausflug auf den Lindenberg: wir waren (erstaunlicherweise) ohne Navi unterwegs, ich glaube, meine Freundin hatte zwar eines in ihrem Auto eingebaut, aber ich hatte keine Adresse der Kirche, sondern wusste nur ungefähr, dass die Kirche mit dem Auto über St. Peter erreichbar ist, also folgen wir den Wegweisern nach St. Peter (auch ein berühmter Wallfahrtsort, aber für dieses Mal nicht das Ziel meiner „Träume“). Als meine Freundin die große Klosterkirche sieht, ist sie erleichtert, weil sie glaubt, dass wir unser Ziel nun erreicht haben. Nein, nein, das ist sie nicht die richtige Kirche, sage ich, wir müssen noch weiter.
Schließlich entdecken wir die Straße, die laut Wegweiser zum Lindenberg führt und aus dem Ort St. Peter hinaus. Der heftige Regen ist inzwischen in Schnee übergegangen und die Straße zu einem Sträßchen durch schöne saftig grüne Wiesen geworden – der Schnee bleibt glücklicherweise (noch) nicht liegen… Meine Freundin ist nicht gerade begeistert und meint: „Wenn es unbefestigt wird, kehren wir um!“ Ich beschwichtige, denn weit kann es nun ja wirklich nicht mehr sein! Allerdings ist das bei den schlechten Sichtverhältnissen schwierig einzuschätzen… doch endlich erscheint aus Nebel und Schnee die Kirche und das Pilgerhaus – Erleichterung macht sich breit. Jetzt erst mal etwas essen. Die Atmosphäre im Pilgerrestaurant gleicht der einer Jugendherberge und meine Freundin ist nicht gerade begeistert, denn sie wollte unbedingt schon in St. Peter essen gehen, da gab es zum Beispiel am Klosterplatz eine Pizzeria, aber ich wollte unbedingt weiterfahren. Hinterher ist man ja immer schlauer…
Nach dem leidlich guten Essen gehen wir zur Kirche hinüber. Aussicht haben wir leider überhaupt keine, alles ist in dicke Wolken gehüllt und in der Kirche scheint gerade für eine Pilgergruppe eine Messe im Gang zu sein, weshalb wir uns nur kurz darin aufhalten. Kerzen dürfen sowieso nur im Vorraum angezündet werden. Ohne die besondere Atmosphäre dieses einzigartigen Ortens wirklich genießen zu können, fahren wir wieder nach Hause zurück – so habe ich mir meinen ersten Besuch von Maria Lindenberg nicht vorgestellt! Aber zum Glück schneit es ja im Schwarzwald nicht immer schon im Oktober…
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