Demut

Nach dem Blog-Beitrag „Vertrauen und loslassen“ ist ein weiteres – großes – Wort in mir aufgestiegen: Demut. Erst habe ich auch geglaubt, dass das gleich der nächste Blog-Artikel werden wird. Doch dann musste ich feststellen: ich schaffe es einfach nicht, über das Thema zu schreiben. Vielleicht weil ich in den letzten Wochen so alles andere als demütig war? „Die Welt liegt Dir zu Füßen“, hat vor ein paar Wochen eine Freundin zu mir gesagt. In mir hat sich alles gegen diese Aussage gesträubt, auch wenn es mir zu diesem Zeitpunkt wirklich sehr sehr gut ging. Aber dass mir die Welt zu Füßen liegen soll? Dass ich höher als andere stehen soll? Dass ich auf die Welt hinabschauen soll? Das wollte ich doch nicht! Zu sehr war mir bewusst, dass es nach einem Höhenflug automatisch irgendwann wieder runtergeht.

Und doch habe ich mich im Verlauf der Wochen immer unbesiegbarer und stärker gefühlt. Hatte immer mehr das Gefühl, dass all meine Wünsche einfach in Erfüllung gehen werden. Dass ich alles schaffen kann, was ich will. Dass ich alles erreichen kann, was ich will.

Ich wollte triumphieren – und bin gnadenlos auf die Fresse gefallen. Äußerlich habe ich mich dabei nicht verletzt, trotzdem war ich am Boden zerstört. Ich habe gewütet und geweint und wollte sogar ganz aufgeben. Die Textzeile „Wer weiß wozu es gut ist, Du machst doch jetzt nicht schlapp“ aus „Mach‘ Dein Licht an“ von „Ich&Ich“ konnte nicht passender sein…

Mit der Zeit hatte ich dann immer stärker das Gefühl, dass mir eben genau die Demut vor dem Leben gefehlt hat, weshalb es soweit kommen musste. Und ich habe versucht, demütiger zu werden – obwohl ich gerade erst bis ins Innerste gedemütigt worden war. Mein Ego wollte einfach nicht wahrhaben, dass in der Demut – darin sind ja die Worte „dienen“ und „Mut“ enthalten – die wahre Stärke und Lebenskraft liegt.

Erst ein Gespräch mit einem lieben Menschen über Demut hat mir den nötigen Antrieb für diesen Beitrag gegeben. Und nachdem ich erfahren habe, dass meine Schwester einen schweren depressiven Rückfall erlitten hat, hat sich mein Leben quasi in Sekundenschnelle wieder „zurechtgerückt“. Voller Demut bin ich nun ganz einfach nur noch dankbar, dass es mir so gut geht – und dass das alles andere als selbstverständlich ist.

Und falls ich das wieder einmal vergessen sollte, dann wünsche ich mir einen Engel der Demut, der mich – aber bitte ganz sanft – daran erinnert, wieder mehr Achtung vor dem Leben zu haben. Danke.

#Worte_die_verzaubern

Ein Gedanke zu „Demut“

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