Loslassen

Tja, jetzt stößt mich das Leben wieder einmal auf ein Gebiet, in dem ich es nun wirklich noch nicht zur Meisterschaft gebracht habe: das Loslassen. Und dann grad noch mit der schwierigsten Disziplin, nämlich dem Loslassen eines Menschen, der mir enorm viel bedeutet.

Manchmal macht es mich richtig wütend, wenn ich in eine solche Situation komme. Dann hadere ich mit meinem Schicksal und grolle Gott, dass er mir – schon wieder! – jemanden nimmt, der mir gut getan hat, der mich ganz tief berührt hat, der mich ohne Worte verstanden hat, der an mich glaubt. Und doch weiß ich, dass auch diese Situation einen Sinn hat, auch wenn ihn (noch) nicht verstehe und vielleicht auch nie wirklich verstehen werde. Das ist der einzige Trost, manchmal allerdings auch nur ein schwacher, wenn mich der Schmerz über den Verlust zu verschlingen droht und ich das Gefühl habe, die Tränen würden überhaupt nie mehr aufhören zu fließen. Doch ich versuche immer wieder darauf zu vertrauen, dass ich es vielleicht irgendwann verstehen werde.

Es ist nicht so, dass das Loslassen einfacher wird, je mehr einem genommen wird. Im Gegenteil, bei mir ist es so, dass ich es – besonders bei besonderen Menschen – immer schwieriger finde, je mehr mir diese genommen werden. Denn mit jedem Verlust machen sich die anderen älteren Verluste auch wieder bemerkbar und kommt auch wieder alter Schmerz hoch – vielleicht so lange, bis wirklich kein alter Schmerz mehr da ist? Ich weiß es nicht. Die Aussicht auf noch mehr Schmerz, damit der alte Schmerz transformiert werden kann, stimmt nicht gerade heiter!

Aber wenn ich zurück blicke auf all die Verluste (siehe auch „Verloren“), die ich in meinem Leben schon erlitten habe, und ganz ganz ehrlich zu mir selber bin, dann glaube ich manchmal, dass diese dazu da sind, mich ganz auf mich selbst zurück zu werfen. Dass sie mir zeigen möchten, mein Leben zu leben, mein Glück nicht von jemandem abhängig zu machen, auf eigenen Füßen zu stehen oder einfach zu lernen, auch mal allein zurecht zu kommen. Nun, angenehm finde ich das meist nicht, aber im Grunde meines Herzens weiß ich, dass es richtig ist und dass es mich stärkt.

Und wie schaffe ich das jetzt, diesen besonderen Menschen loszulassen und aus meinen Gedanken zu verbannen? Nun, so genau weiß ich das auch noch nicht und ich glaube auch nicht, dass das so ratzfatz geht. Aber ich fange mal mit (kleinen) Dingen an: Darüber schreiben hilft meist sehr gut! Dann habe ich noch meine Abschiedsrituale (Fotos und/oder einen Abschiedsbrief verbrennen oder in den Fluss werfen, Fotos wegräumen, den Chatverlauf auf dem Smartphone löschen, Bogenschießen, malen). Und ich versuche, auf andere Gedanken zu kommen, nicht im Sinne einer Ablenkung, sondern eben im Sinn von mich wieder auf mich und mein Leben zu konzentrieren – was zugegebenermaßen das schwierigste am Ganzen ist… aber ich bleibe dran!

P.S. Und vielleicht das wichtigste und heilendste überhaupt: dankbar zu sein! Für die Zeit, die wir zusammen verbringen durften; für alles, was ich von ihm gelernt habe; für das Vertrauen, das er mir geschenkt hat; für den Spaß, den wir zusammen hatten; für sein Verständnis; für den Mut, den er mir geschenkt hat; für sein Lächeln, das mich sogar jetzt noch zum Lächeln bringt, wenn ich daran denke…

 

#Worte_die_verzaubern

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