Hommage à mon frère

Die meisten Leute denken wahrscheinlich, ich bin verrückt, weil ich meinen Bruder zwischendurch immer noch so schmerzlich vermisse, obwohl er bereits vor über vierzehn Jahren gestorben ist (im März werden es fünfzehn sein). Aber oft war er einfach der einzige, der mich verstanden hat und er war einfach immer für mich da.

Als Kind und Teenager fand ich es zwar manchmal nicht so lustig, wenn er in seinem Zimmer im Souterrain die Musik so laut aufgedreht hat, dass der Boden in meinem Zimmer darüber gebebt hat. Trotzdem hat mich diese Zeit enorm geprägt, ich höre fast ausschließlich Musik aus dieser Zeit (und manchmal ebenso laut), obwohl ich damals – zumindest am Anfang – noch gar keinen Kassettenrecorder bzw. CD-Player hatte. Aus dieser Erinnerung ist auch das Bild entstanden, das auf dem Foto zu diesem Blog-Artikel zu sehen ist: Die Collage „Hommage à mon frère“ („Erinnerung an meinen Bruder“) besteht aus verschiedenen Musik-CDs, Musikkassetten und einer Vinyl-Schallplatte, alles auf eine violett bemalte Leinwand montiert. Als Musikfreak und Hobby-DJ hatte mein Bruder eine riesige Schallplatten- und CD-Sammlung, von der ich inzwischen einen Teil bekommen habe (aber davon habe ich natürlich nichts für die Collage verwendet!).

Vor allem zu Zeiten, in denen ich das Gefühl habe, dass niemand mich versteht, fehlt er mir ganz besonders. Er war ja ein Autofreak (siehe auch Benzin im Blut) und könnte bestimmt nachvollziehen, wie sehr es schmerzt, Monate auf das geliebte Fahren verzichten zu müssen – auch wenn ich mir nicht so sicher bin, wie begeistert er davon wäre, dass ich nun den Motorradführerschein machen möchte. Es könnte nämlich durchaus sein, dass er das für seine „kleine“ Schwester – er war sieben Jahre älter als ich – ganz einfach viel zu gefährlich findet…! Und wenn mir dann bewusst wird, dass mein Fahrlehrer mich an ihn erinnert – und zwar nicht unbedingt vom Aussehen her (zugegeben, da besteht eine gewisse Ähnlichkeit), sondern eher von der Art und im Umgang mit mir, dann wird die Sehnsucht manchmal einfach unermesslich groß, denn meinen Fahrlehrer sehe ich ja erst im Frühjahr wieder und sobald ich die Fahrprüfung bestanden habe, werde ich auch (endgültig) von ihm Abschied nehmen müssen – und was dann…?

Manchmal frage ich mich, ob ich wohl in meinem Leben einfach schon zu viel Verluste erlitten habe (siehe auch Verloren…), so dass ich bei „alltäglichen“ oder vielleicht sollte ich es eher normale und natürliche Abschiede nennen, ganz einfach überfordert bin und dabei immer ganz viel alter Schmerz mit hochkommt – vergessener Schmerz, überwunden geglaubter Schmerz oder einfach eine unstillbare Sehnsucht nach Liebe… nach einer Liebe, von der ich eigentlich weiß, dass ich sie mir nur selber geben kann!

 

#Worte_die_verzaubern 

#nicolettasamira

Ein Gedanke zu „Hommage à mon frère“

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