Wenn die Haare unaufhaltbar grau werden (ich habe ja beschlossen, aufs Färben zu verzichten), die erste Gleitsichtbrille angepasst werden muss (weil ich ohne einfach nicht mehr genug sehe) und das Bewusstsein durchdringt, dass auch die biologische Uhr abgelaufen ist, dann fühle ich mich (manchmal) schon alt (nicht lachen bitte!).
Noch vor wenigen Wochen habe ich mich locker zwanzig Jahre jünger gefühlt: in den Motorradfahrstunden die ungeteilte Aufmerksamkeit eines coolen Fahrlehrers zu genießen, mich auf dem Motorrad so komplett und total bei mir zu fühlen wie nie zuvor und nur so vor ungeahnter Energie und Lebensfreude zu sprühen – das alles hat mich richtig geflasht und ich habe im wahrsten Sinne des Wortes mehr und mehr Gas gegeben! Nachdem mein Fahrlehrer mich nämlich in den ersten Stunden immer dazu ermuntern musste, die angegebene Geschwindigkeit auch zu fahren („Jetzt gib mal Gas!“), hat sich das dann in der letzten Stunde vor der Winterpause ganz anders angehört („He, hier sind nur achtzig erlaubt! Ich fahr´ neunzig und komm´ dir kaum hinterher!“). Tja, so schnell kann es gehen…
Doch die Winterpause zwingt mich dazu, einen Gang (oder vielleicht auch mehrere?) runter zuschalten (die grüne Kawasaki in der Fahrschule hat immerhin sechs Gänge…). Und somit auch die Frage: „Was nun?“ Dass ich trotz Weiterbildung und Selbständigkeit mein Berufsleben immer (noch) nicht auf die Reihe bekommen habe, sprich, immer noch kein Geld damit verdiene, verdränge ich fürs erste Mal noch ein bisschen und suche lieber im Außen nach „Schuldigen“ – und siehe da: Dass die Beziehung nach siebzehn Jahren nicht mehr so prickelt wie als frisch Verliebte finde ich genauso frustrierend wie das Gefühl, von meinem Partner nicht wirklich gesehen zu werden und ich stelle mir unweigerlich die Frage, ob ich das noch weiter aushalten will? Ich meine, ich werde ja (siehe oben!) nicht jünger und da wird mir bewusst, dass ich wohl unter akuter Torschlusspanik leide! Und dafür kann ja mein Partner nun wahrlich nichts… So bleibt mir also nichts Anderes übrig, als erstmal meine „Hausaufgaben“ zu machen, mein Leben auf die Reihe zu bekommen und meiner Freude und Kraft Ausdruck zu geben, denn eines ist mir klargeworden: auch wenn ich in einer Beziehung lebe, bin ich vollkommen frei! Das einzige, was mich einengt, sind meine eigenen Gedanken – denn mein Partner lässt mich einfach so sein wie ich bin. Nur konnte ich das bisher nicht wirklich als Geschenk annehmen und habe oft nicht den Mut, mich in der Beziehung so zu zeigen, wie ich wirklich bin…
Vielleicht ist es deshalb einfach an der Zeit, durch das Tor hindurch zu gehen und nachzuschauen, was das Leben als nächstes für mich bereit hält. Und das ist doch wirklich extrem spannend…!
#Worte_die_verzaubern
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